Merkel und Steinbrück lieferten sich sachliches TV-Duell

Drei Wochen vor der deutschen Bundestagswahl lieferten sich die Kanzlerkonkurrenten ein Duell ohne persönliche Spitzen.

© WDR

Berlin - Im einzigen Fernsehduell vor der deutschen Bundestagswahl haben sich Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Kandidat Peer Steinbrück am Sonntagabend einen heftigen Schlagabtausch geliefert. Angesichts des klaren Rückstands der Sozialdemokraten in allen Umfragen ging der Herausforderer in die Offensive. Insgesamt blieb die 90-minütige Debatte jedoch sachlich - und ohne eindeutigen Sieger.

Steinbrück machte Merkel für „Stillstand“ und soziale Ungerechtigkeit in Deutschland verantwortlich. In seinem Schlusswort sagte er: „Mein Plan von Deutschland ist: Gerechter und deshalb stärker.“

Die CDU-Vorsitzende zog hingegen eine zufriedene Bilanz der christlich-liberalen Koalition. „Wir haben gezeigt, dass wir es können - und das in einer schwierigen Zeit. Ich möchte, dass auch die nächsten vier Jahre gute Jahre werden“, sagte sie.

Das Duell galt für den SPD-Herausforderer als möglicherweise letzte Chance, vor dem 22. September doch noch einen Stimmungswechsel zu schaffen. Immer wieder versuchte Steinbrück, Merkel aus der Reserve zu locken. Die CDU-Vorsitzende ging darauf jedoch nicht ein.

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Insgesamt war das Duell von einem sachlichen Ton geprägt. Beide wandten sich immer wieder einander zu und sprachen sich mit Namen an. Bisher hatte sich Merkel bemüht, ihren Herausforderer zu ignorieren.

In allen Umfragen haben die Sozialdemokraten derzeit einen großen Rückstand auf die Union. Merkel liegt auch im Vergleich mit Steinbrück weit vorn. Die CDU-Chefin bekräftigte ihr Vorhaben, die Koalition mit der FDP fortsetzen zu wollen. Auf die Frage nach einer möglichen neuen Bündnis mit der SPD sagte sie: „Ich möchte auch keine Große Koalition. Niemand strebt sie an.“ Steinbrück bekräftigte, dass er selbst in keine Große Koalition gehen werde.

Merkel regiert seit 2009 in einer christlich-liberalen Koalition mit der FDP. Vorher hatte sie vier Jahre lang eine Große Koalition mit den Sozialdemokraten geführt, in der Steinbrück Finanzminister war. In den Umfragen liegen Merkels Christdemokraten weit vor Steinbrücks Sozialdemokraten. Für die Regierungskoalition insgesamt ergab sich zuletzt ein hauchdünner Vorsprung vor der Opposition aus SPD, Grünen und Linkspartei.

Erwartungsgemäß zeichneten Kanzlerin und Kandidat ein völliges unterschiedliches Bild. Merkel sagte, Deutschland habe mit 29 Millionen Menschen heute so viele Beschäftigte wie nie zuvor. Der Bund werde 2015 erstmals wieder in der Lage sein, ohne neue Schulden auszukommen. Dann warnte sie: „Die Steuererhöhungspläne der Sozialdemokraten und der Grünen bringen die Gefahr mit, dass wir die gute Ausgangslage, die wir haben, nicht verbessern, sondern verschlechtern.“

Steinbrück entgegnete:“ Wir wollen nicht die Steuern für alle erhöhen.“ Die SPD wolle jedoch die „fünf oberen Prozent“ der Einkommensbezieher stärker heranziehen.

Deutlich wie noch nie schloss Merkel die Einführung einer Pkw-Maut auf Deutschlands Autobahnen aus. Damit ging die CDU-Vorsitzende auf Distanz zum Koalitionspartner CSU: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat eine Maut zur Bedingung für einen neuen Koalitionsvertrag gemacht.

Im Streit um ein mögliches drittes Rettungspaket für Griechenland ließ die Kanzlerin offen, wie hoch weitere Hilfen ausfallen könnten. Möglicherweise werde es ein neues Hilfspaket geben, aber niemand kenne die Größenordnung. „Keiner weiß genau, wie sich die Dinge in Griechenland entwickeln.“ Herausforderer Steinbrück hielt dagegen, man könne nicht immer nur die „Konsolidierungskeule“ schwingen.

In der NSA-Affäre erhob Steinbrück erneut den Vorwurf, Merkel habe ihren Amtseid verletzt, Schaden für die Bundesrepublik abzuwenden. Das millionenfache Abfischen von Daten durch den US-Geheimdienst National Security Agency sei nach wie vor ungeklärt. Die Kanzlerin betonte, sie habe keinen Anlass, den Versicherungen der USA und Großbritanniens zu misstrauen, die Geheimdienste beider Länder hielten sich an deutsches Recht. Natürlich sei aber Vertrauen durch die Vorgänge um die NSA verloren gegangen, gestand Merkel ein.

Das Duell wurde von den vier großen Sendern ARD, ZDF, RTL und ProSieben live übertragen. Vermutlich waren am Fernseher und übers Internet deutlich mehr als 12 Millionen Zuschauer dabei. Die Parteien setzen in den letzten drei Wochen vor allem darauf, die vielen Wähler zu überzeugen, die derzeit noch unentschlossen sind. (APA/dpa)


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