Nur am Anfang war der Kürbis

Schnitzen kann man Holz – aber auch Kürbisse und Melonen. Beim „Big Carving Contest“ in Innsbruck zeigen derzeit Köche aus nah und fern, dass auch Künstler in ihnen stecken.

Von Irene Rapp

Innsbruck –Das erste Blut ist schon geflossen. Ondrej Janousek war wohl eine Sekunde nicht bei der Sache. Kein Wunder! Die Nervosität ist spürbar, wenn man an den Tischen vorbeigeht, an denen der Tscheche und seine Mitstreiter arbeiten. Allesamt Köche, die sich im Rahmen der Fafga in Innsbruck – der Fachmesse für Gastronomie, Hotel und Design – dem „Big Carving Contest“ stellen.

Mit Skifahren hat das Ganze allerdings nichts zu tun, wenn Janousek und 27 weitere Köche bis Mittwoch gegeneinander antreten werden. Beim sogenannten Liveschnitzen im Rahmen des Bewerbs ist auch nicht Holz das Ausgangsmaterial – sondern Gemüse. Und dass dafür scharfe Messer zum Einsatz kommen müssen, zeigt Janouseks rechte Hand: Den Daumen ziert ein blaues Pflaster, am Zeigefinger ist noch Blut erkennbar.

„Ja, Live-Bewerbe sind eine Herausforderung für die Köche, weil einen immer Zuschauer und Preisrichter beobachten“, erklärt Alex Neumayer beim Beobachten der Gemüseschnitzer. Der Bad Hofgasteiner ist mit seiner Firma „Kochen und Kunst“ neben der Fafga und dem Verband der Köche Tirol einer der Organisatoren des Bewerbes. Und er weiß, wovon er spricht: Im Oktober konnte Neumayer bei der Koch-Olympiade im deutschen Erfurt mit seinen aus Schokolade hergestellten Rolling-Stones-Köpfen eine Goldmedaille in der Kategorie „Schaustücke aus der Patisserie“ einheimsen.

Die Stones zum Anbeißen sind auch auf der Fafga zu sehen – „solange es möglich ist, werde ich sie ausstellen“, spricht Neumayer die Verderblichkeit seines Werkes an. Bei den Teilnehmern des „Big Carving Contests“ steht indes ein Kürbis im Vordergrund. Daraus, sowie aus bis zu fünf anderen selbst gewählten Sorten Obst und Gemüse, ist in den nächsten drei Stunden etwas zu schnitzen, das die Jury beeindruckt.

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„Da kommt es u. a. darauf an, welche Schnitztechnik zum Einsatz kommt. Oder ob man mit dem Messer arbeitet – was schwieriger ist – oder mit dem Schnitzmeißel, mit dem man z. B. einfach Kreise herstellen kann“, sagt Neumayer, der als Juror beim laufenden Wettbewerb die Teilnehmer immer mit prüfendem Blick beobachtet.

Bernhard Wieser hat bereits eine Melone in Arbeit. In einer für den Laien unglaublichen Geschwindigkeit verleiht er der Frucht mit seinen Messern ein blumiges Aussehen. In Tirol ist der Langkampfener einer der wenigen Köche, die sich mit Gemüseschnitzen beschäftigen. „Vielen fehlt die Zeit dazu“, nennt Josef Fankhauser, Präsident vom Verband der Köche Österreichs, den Grund. Und trotzdem: Die Begeisterung an der Kunst des Gemüseschnitzens, die im asiatischen Raum ihre Wiege hat, schwappt langsam nach Europa über. „Die Gäste wollen ja auch mit dem Auge essen. Und für ein Galadinner kann man mit solchen Kunstwerken für Aha-Effekte sorgen“, sagt Neumayer.

Um welche Kunstwerke es sich dabei handelt, kann man ein paar Meter neben den immer noch fleißig vor sich hinwerkelnden Gemüseschnitzern bewundern. Aus Melonen, Kürbissen und Käse wurden Götter, Girlanden und Vögel gefertigt. Drei Stunden Arbeitszeit reichen da allerdings nicht aus. „Da sind die Köche schon drei Tage bei der Arbeit“, schätzt Neumayer. Köche mit künstlerischer Ader, wie der Laie neidlos gestehen muss ...

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