SPD liebäugelt mit der großen Koalition

Berlin – Nach dem Absturz der FDP bei der bayerischen Landtagswahl eine Woche vor der deutschen Bundestagswahl stemmt sich die SPD in der Öf...

Parteichef Gabriel könnte die SPD in eine große Koalition mit der Union führen.
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Berlin –Nach dem Absturz der FDP bei der bayerischen Landtagswahl eine Woche vor der deutschen Bundestagswahl stemmt sich die SPD in der Öffentlichkeit gegen Einschätzungen, es laufe wieder auf eine große Koalition mit der Union hinaus. Doch es ist längst kein Geheimnis mehr, dass auch innerhalb der SPD die Rufe nach einer großen Koalition immer lauter werden. Der Wind hat sich gedreht, auch weil die Grünen als Wunschkoalitionspartner der SPD im Endspurt des Wahlkampfs schwächeln. Parteichef Sigmar Gabriel könnte im Fall der Fälle die Partei in die Verhandlungen mit der Union führen. Er könnte am Ende Vizekanzler werden – ausgestattet mit einem Schlüsselressort wie Außen, Finanzen oder Arbeit und Soziales.

In offiziellen Auftritten der SPD-Spitze ist die Möglichkeit einer großen Koalition – und das wohl als Juniorpartner der Union – freilich weiterhin verpönt. „Es geht um Schwarz-Gelb oder Rot-Grün“, erklärte Gabriel gestern. Die SPD kämpfe dafür, dass es für Rot-Grün reiche. Gleichzeitig blies er zum Angriff auf die Liberalen: „Wäre die FDP nicht im Bundestag, stiegen deutlich die Chancen für Peer Steinbrück, Kanzler zu werden.“

In einer Pressekonferenz mit dem Spitzenkandidaten der SPD bei der bayerischen Landtagswahl, Christian Ude, wertete Gabriel den Ausgang als Rückenwind. Die SPD hatte ihr Wahlziel, eine absolute Mehrheit der CSU zu verhindern, zwar verfehlt, auf niedrigem Niveau aber leicht dazugewonnen. „Das ist ein guter Auftakt gestern gewesen“, sagte Gabriel.

Der Chef der deutschen Grünen, Cem Özdemir, hat nach der Niederlage in Bayern Fehler im Bundestagswahlkampf eingeräumt. Es sei nicht gelungen, der auf Steuererhöhungen konzentrierten öffentlichen Debatte eine andere Richtung zu geben, erklärte der Parteivorsitzende. Nach dem vorläufigen Endergebnis kamen die Grünen auf 8,6 Prozent und verfehlten damit deutlich ihr Wahlziel. Sie hatten die Hoffnung, drittstärkste Kraft im Landtag zu werden. (dpa, jec)

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