Lintner sorgt für Eklat in Schuldebatte

Für Schulratspräsident Lintner ist die Gesamtschule marxistisch, Lehre mit Matura etwas für Unternehmer-söhne. Die Grünen sind empört.

Von Peter Nindler

Innsbruck –Dass Landesschulratspräsident Hans Lintner kein Freund der Gesamtschule ist, weiß man. Jetzt sorgt er jedoch für Aufregung in der schwarz-grünen Landesregierung. Gegenüber der TT bestätigt er Aussagen im Rofan-Kurier zur Bildungspolitik. „Die Gesamtschule ist marxistisch, die Gleichmacherei lehne ich ab“, sagt er. Man habe schließlich in der Geschichte gesehen, dass dieser Ansatz gescheitert sei. Lintner spricht sich gegen die Gesamtschule und für die freie Bildungswahl in einem differenzierten Bildungswesen aus.

Nicht weniger brisant sind Lintners Äußerungen zu der vor allem von der Wirtschaft forcierten „Lehre mit Matura“. Diese sei etwas für Unternehmersöhne, die noch eine Ausbildung machen wollen. „Ich sehe die Lehre mit Matura schaumgebremst, weil falsche Botschaften vermittelt werden“, präzisiert Lintner. Wer diesen Weg einschlage, bleibe nicht mehr in seinem angestammten Beruf, „andererseits wird der Lehrberuf damit ab- anstatt aufgewertet“.

Die Grünen sind empört, schließlich hat sich Schwarz-Grün für einen Schulversuch zur gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen in einer Modellregion im Zillertal und in Innsbruck ausgesprochen. Für Landtagsvizepräsident Hermann Weratschnig (Grüne) fällt Lintner der Landesregierung in den Rücken. „Ich erwarte mir vom Schulratspräsidenten einen differenzierten Umgang in Zukunftsfragen der Tiroler Bildung.“ Mit seiner Kompetenz und Erfahrung solle Lintner den Modellversuch in Innsbruck nicht blockieren, sondern aktiv unterstützen. „Die Erkenntnisse aus Modellversuchen sollen als Entscheidungsgrundlage für weitere Bildungsreformen zur Verfügung stehen.“ Die frühe Auslese bei den Zehnjährigen führt laut Weratschnig zu weniger selbstbestimmten Entscheidungen und gefährdet die Ausbildung von hochqualifizierten Fachkräften.

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