Untersuchung zu Todesumständen von Pablo Neruda

Starb Pablo Neruda an Krebs oder Gift? Angehörige vermuten seit jeher, dass der Dichter vom Pinochet-Regime ermordet wurde.

Santiago de Chile –40 Jahre nach seinem Ableben sind die Todesumstände des Dichters und Nobelpreisträgers Pablo Neruda Gegenstand forensischer Ermittlungen. Erst im April wurde sein Leichnam exhumiert. Experten in Spanien und den USA wollen mithilfe von Gewebeproben herausfinden, ob stimmt, was Vermutungen nahelegen: dass er am 23. September 1973 im Krankenhaus nicht seinem Krebsleiden erlag, sondern ermordet wurde – vergiftet von Schergen des Diktators Augusto Pinochet.

Erst knapp zwei Wochen zuvor hatte das Militär Chiles sozialistischen Präsidenten Salvador Allende und dessen demokratische Regierung gestürzt. Direkt danach begann die Verfolgung politischer Gegner. Manche wurden hingerichtet, viele verschwanden spurlos. Neruda, Autor von Meisterwerken wie „Canto General“ oder „Crepusculario“, war als Dichter wie kommunistischer Politiker eine Landesgröße und ein Freund Allendes. Der an Prostatakrebs Erkrankte hatte Schmerzen, seine Familie brachte den 69-Jährigen ins Krankenhaus Santa Maria in Santiago. Für den Tag, an dem er starb, hatte er Pläne: Neruda wollte nach Mexiko reisen, wo er die Gründung einer Exilregierung plante.

Neruda wäre nicht der Einzige, den das Pinochet-Regime mit Gift aus dem Weg räumte. Als so gut wie bewiesen gilt der Mord am früheren chilenischen Präsidenten Eduardo Frei Montalva, dessen Fall die Justiz ebenfalls prüft. Er starb 1982 in derselben Klinik, im selben Stock und sogar unter demselben Ärzteteam wie Neruda. Untersuchungen seines Leichnams wiesen Spuren tödlichen Sarin-Gases nach.

Neruda galt bis 2011 offiziell als an Krebs gestorben. Dann gab ein Gericht der Klage der kommunistischen Partei statt, Ermittlungen zu seiner Todesursache einzuleiten. Neruda, Allende und der Sänger Victor Jara, der vom Militär verhaftet, gefoltert und erschossen wurde, seien „Symbole der jüngst gestürzten sozialistischen Regierung“ gewesen, sagt Eduardo Contreras, der als Anwalt die Klage vertritt. (APA, dpa)


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