Innsbruck bangt um Modellschule

Für die SPÖ ist Schulratspräsident Hans Lintner nach seiner Kritik an der Gesamtschule („marxistisch“) nicht mehr tragbar.

Von Peter Nindler

Innsbruck –LH Günther Platter und Bildungs-LR Beate Palfrader waren gestern gar nicht happy. Dass ihr ÖVP-Parteikollege und Landesschulratspräsident Hans Lintner die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen als „marxistisch“ bezeichnet, sorgt für Unmut. In einem Gespräch mit Platter war Lintner um Klarstellung bemüht, vor allem was die Modellversuche im Zillertal und Innsbruck betrifft. Allerdings bekräftigte Lintner gestern einmal mehr, dass der Rückgriff auf Modelle vor 100 Jahren die Zukunftsfragen und Aufgaben nicht bewältigen könnten. Gleichheit schaffe nicht Gerechtigkeit, sagte er zur Gesamtschule.

Lintners Aussagen zur Gesamtschule frusten vor allem Innsbrucks Schulstadtrat Ernst Pechlaner (SP). Für den von der Landesregierung forcierten Modellversuch einer gemeinsamen Schule in der Landeshauptstadt sehe es noch nicht gut aus, „weil die Zweidrittelmehrheit von Eltern und Lehrern derzeit kaum möglich ist“. Vom Landesschulrat erwartet sich Pechlaner deshalb Rückendeckung und ein Einwirken auf die Lehrer. „Dann würde alles leichter gehen.“ Doch solange Lintner die Gesamtschule dermaßen abqualifiziere, werde es sehr schwer sein, einen Schulversuch umzusetzen.

FPÖ, AHS-Lehrergewerkschaft und Elternvereine stärken indessen Lintner den Rücken. Für FP-Klubchef LA Gerald Hauser sagt er nur das, was historisch belegbar sei.

Ansonsten hagelte es parteiübergreifend Kritik an Lintner. Für Landtagsvizepräsident Hermann Weratschnig (Grüne) halte die schwarz-grüne Landesregierung trotz der Marxismus-Keule an ihren Plänen für die Schulversuche fest. Empört ist Weratschnig, dass Lintner das Pilotprojekt „Lehre mit Matura“ der Wirtschaftskammer schlechtrede („Etwas für Unternehmersöhne“). Deren Vizepräsident Martin Felder richtet dem Schulratspräsidenten aus, grob danebengegriffen zu haben. Die Wirtschaftskammer bekenne sich zur gemeinschaftlichen Schule mit Leistungsdifferenzierung und inhaltlicher Schwerpunktbildung. ÖGB-Chef Otto Leist spricht von herabwürdigenden Aussagen gegenüber Menschen, die sich freiwillig aus- und weiterbilden wollten.

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Für SPÖ-Bildungssprecher LA Thomas Pupp ist Hans Lintner als Schulratspräsident nicht mehr tragbar. „Sollte LH Günther Platter wirklich die Idee einer gemeinsamen Schule und den stufenweisen Ausbau einer Ganztagsschule mit verschränktem Unterricht wollen, so ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, Lintner aus seiner Funktion abzuberufen.“ Pupp als auch Liste Fritz-Klubchefin LA Andrea Haselwanter-Schneider wollen auf das Amt des Landesschulratspräsidenten verzichten. Die Aufgaben seien der Bildungslandesrätin zu übertragen. Insgesamt stellt Haselwanter-Schneider die Glaubwürdigkeit der ÖVP-Schulpolitik in Tirol infrage.


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