Pädophilie: Trittin in der Mangel

Der Spitzenkandidat der deutschen Grünen stürzt wenige Tage vor der Bundestagswahl die Partei weiter ins Popularitätstief.

Jürgen Trittin muss sich Rücktrittsforderungen stellen.Foto: EPA/Stache

Berlin –Die deutschen Grünen kommen angesichts der Vorwürfe in der Pädophilie-Debatte im Endspurt zur Bundestagswahl am Sonntag immer mehr unter Druck. Wie am Montag bekannt geworden war, zeichnete Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin 1981 für ein Kommunalwahlprogramm verantwortlich, in dem Straffreiheit für gewaltfreie sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern gefordert wurde. Das schrieben die Politologen Franz Walter und Stefan Klecha in einem Beitrag für die Berliner taz. Trittin räumte dies als Fehler ein und hat sich gestern nochmals entschuldigt: „Wir Grünen, mich eingeschlossen mit der Verantwortung, haben in den frühen Achtzigerjahren eine Position vertreten zur Pädophilie, die muss allen Missbrauchsopfern als Hohn erscheinen. Und das ist ein Fehler gewesen“, erklärte er gestern in Augsburg.

Der unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, bescheinigte den Grünen indes, mit der unabhängigen Aufarbeitung ihrer Gründungszeit die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Die politischen Konkurrenten benützen die Vorwürfe im Wahlkampf freilich als Steilvorlage. „Die Grünen sind dabei, ihre moralischen Ansprüche, die sie jahrelang als Maßstab ihrer Politik geltend gemacht haben, zu verspielen“, sagte etwa Unions­fraktionschef Volker Kauder der Zeitung Die Welt. Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerd­a Hassel­feldt, verlangte von Trittin den Rückzug von der Spitzen­kandidatur.

Doch nicht nur die Pädophilie-Debatte belastet die Grünen. Mit ihren Steuerplänen haben sie in der Zielgeraden des Wahlkampfs offenbar viele Wähler verschreckt. Wenige Tage vor der Bundestagswahl liegen die schwarz-gelbe Koalition und die drei Oppositionsparteien in der Wählerstimmung exakt gleichauf. Im Forsa-Wahltrend des Magazins Stern und des Senders RTL vom Dienstag erhalten Union und FDP gemeinsam 44 Prozent der Stimmen – ebenso wie SPD, Grüne und Linke zusammen. Die Union kommt unverändert auf 39 Prozent. Die liberale FDP büßt einen Punkt auf 5 Prozent ein. Der SPD wollen unverändert 25 Prozent der Deutschen ihr­e Stimme geben. Gleichfalls wie in der Vorwoche entfallen 10 Prozent auf die Linke und 9 Prozent auf die Grünen.

Rechnerisch möglich wären nach den Forsa-Zahlen derzeit nur eine große Koalition (64 Prozent) oder ein schwarz-grünes Bündnis (48 Prozent). Die euro-kritische Partei Alternative für Deutschland verharrt bei 3 Prozent, ebenso wie die Piraten. Die Mehrheit der Deutschen möchte, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) weiter regiert. Wenn sie ihren Regierungschef direkt wählen könnten, würden sich laut Forsa 53 Prozent für die CDU-Chefin entscheiden. 26 Prozent ziehen den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück vor. (dpa, jec)


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