Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn hilft Serbien beim Schuldenabbau

Dominique Strauss-Kahn ist ab heute offiziell Berater der serbischen Regierung. Über das Entgelt des früheren IWF-Chefs und seines Teams wird erst verhandelt.

Belgrad - Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, der ab heutigem Dienstag auch offiziell als Berater der serbischen Regierung engagiert ist, ist überzeugt, dass die schwierigen Wirtschaftsprobleme des Landes, vor allem die Schuldenfrage, gelöst werden können. Dafür sei allerdings eine gewisse Zeit notwendig, Resultate würden nicht schnell kommen, erklärte Strauss-Kahn bei einer Pressekonferenz in Belgrad nach den Gesprächen mit serbischen Regierungsvertretern.

Er habe allerdings keinen Zauberstab, warnte der französische Finanzexperte. Serbien habe allerdings ein gutes Team, das für die Wirtschafts- und Finanzfragen zuständig sei, meinte er im Hinblick auf die kürzlich bestellten Finanz- und Wirtschaftsminister, Lazar Krstic und Sasa Radulovic, und Vizepremier Aleksandar Vucic, der sich künftig wohl voll den Wirtschaftsfragen widmen will. „Nur mühsame Arbeit kann Serbien aus der Krise führen“, erklärte Vucic.

Strauss-Kahn konnte am Dienstag nicht sagen, welche Maßnahmen er Serbien zuerst vorschlagen wolle und ob dazu auch die Wiederaufnahme der Anfang des Jahres unterbrochenen Zusammenarbeit mit dem IWF gehöre. Er und sein Team, das sich in der nächsten Zeit ständig in Belgrad aufhalten würde, müssten sich zuerst mit der Situation vertraut machen. Erst dann könnten sie ihre Ratschläge geben. Die Entscheidung darüber liege allerdings bei der Regierung, unterstrich er. Eine klare Antwort auf die Frage, ob sich die serbische Regierung verpflichtet habe, seinen Ratschläge bedingungslos zu folgen und ob ansonsten die Zusammenarbeit unterbrochen werde, wollte Strauss-Kahn nicht geben.

Drei Monate auf pro-bono-Basis

Der Einsatz des Ex-IWF-Chefs in Belgrad wird in den ersten drei Monaten auf pro-bono-Basis erfolgen. Erst danach werde man über das Honorar verhandeln. Vucic zeigte sich bereits zuversichtlich, was die Verlängerung der Zusammenarbeit betreffe. Sie werde länger dauern, versicherte der Vizepremier, ohne auf die Finanzfrage einzugehen. Dass die Sex-Affären von Strauss-Kahn dem Image Serbiens schaden könnte, glaubt der Vizepremier nicht. Er habe nicht gehört, dass die Expertisen von Strauss-Kahn angefochten worden seien.

Das Hauptaugenmerk von Strauss-Kahns Arbeit soll laut Regierung darin liegen, Probleme der öffentlichen Schulden, des Budgetdefizits sowie der hoch verschuldeten staatlichen Firmen zu lösen. Die Basis dafür stelle ein wirtschaftliches Wachstum dar, waren sich Vucic und Strauss-Kahn einig. Wie man Serbien auf den Wachstumspfad bringen könne, müsse erst festgestellt werden, so der frühere IWF-Chef.

Ratschläge bezüglich der EU-Annäherung erwartet sich Serbien auch von Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ), der am Freitag in Belgrad erwartet wird. Unterdessen sprach sich Staatssekretär Reinhold Lopatka (ÖVP) nach einem Gespräch mit dem serbischen Parlamentspräsidenten Nebojsa Stefanovic für eine rasche Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen mit Serbien aus. „Die weitere EU-Annäherung Serbiens, wie auch aller anderen Länder des Westbalkans, ist und bleibt eine Priorität der österreichischen Außen- und Europapolitik“, so Lopatka in einer Aussendung. (APA)


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