Steuerabkommen mit Schweiz: Boom bei Selbstanzeigen

Bis Mitte Juli gab es über 1500 Selbstanzeigen mit Schweiz-Bezug, nach rund 400 im Jahr 2012. Laut dem Wirtschaftsprüfer Deloitte wird Österreich die budgetierte Milliarde aus dem Abkommen übertreffen.

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© APA

Wien - Das seit Jahresbeginn 2013 gültige Schwarzgeld-Steuerabkommen mit der Schweiz hat zu einem wahren Boom bei Finanzamt-Selbstanzeigen geführt. Im Jahr 2012 hat es in Österreich 406 Selbstanzeigen im Zusammenhang mit Einkünften in der Schweiz gegeben, zwischen 1. Jänner und 12. Juli 2013 ist die Zahl bereits auf 1502 hochgeschnellt, so der Wirtschaftsprüfer Deloitte am Dienstag vor Journalisten in Wien. Insgesamt wurden heuer bis Mitte Juli 5411 Selbstanzeigen bei der Finanz verzeichnet, im Gesamtjahr 2012 waren es 6697.

„Das Netz wird engmaschiger“

Knapp 13.600 Österreicher haben sich zudem dafür entschieden, ihr Vermögen in der Schweiz den heimischen Steuerbehörden offenzulegen. Die Frist dazu ist Ende Mai ausgelaufen. Rund 4,4 Mrd. Euro wurden den österreichischen Behörden gemeldet. Diese Offenlegung wird ebenfalls als Selbstanzeige gewertet und wird die Zahl der Anzeigen nach oben schnellen lassen.

Die Schweiz hat Österreich bisher in zwei Tranchen 671,4 Mio. Euro an Steuereinnahmen transferiert. Diese Summe hat die Schweizer Steuerverwaltung für jene in der Schweiz deponierten Vermögen überwiesen, deren österreichische Besitzer anonym bleiben wollen und eine Abgeltungssteuer in der Höhe von 15 bis 30 Prozent zahlen mussten. Deloitte rechnet damit, dass Österreich die budgetierte Milliarde aus dem Steuerabkommen lukriert. Zwischen 200 und 400 Mio. Euro an Steuereinnahmen sollten noch aus den gemeldeten 4,4 Mrd. Euro fließen, erwartet Deloitte-Partner Alexander Lang.

Die Wirtschaftsprüfer haben nach eigenen Angaben bisher „mehrere hundert“ Klienten in der Schweizer-Steuercausa beraten. Ende 2013 wird die Schweiz eine Liste von Österreichern übermitteln, die ihr Geld schnell noch vor Inkrafttreten des Abkommens nach Österreich oder in andere Steueroasen, etwa nach Singapur transferiert haben. Österreich habe auch ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Singapur, betonte der Deloitte-Experte. „Das Netz wird engmaschiger.“

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500 Mio. Euro aus Liechtenstein

Noch wenige Selbstanzeigen hat es im Zusammenhang mit dem ab Anfang Jänner 2014 geltenden Schwarzgeld-Steuerabkommen mit Liechtenstein gegeben. Der Liechtensteiner Landtag hat dem Steuerabkommen mit Österreich Anfang September zugestimmt. Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) rechnet in der zweiten Jahreshälfte 2014 mit einer ersten Überweisung aus dem Fürstentum. Die Regierung hat bisher mit einer einmaligen Steuernachzahlung von 500 Mio. Euro gerechnet.

Das Abkommen mit Liechtenstein umfasst im Gegensatz zum Schweizer Abkommen auch Stiftungen mit österreichischen Begünstigten. In Liechtenstein gibt es transparente Stiftungen, bei denen der Stifter ein Weisungsrecht via Mandatsvertrag innehat und intransparente Stiftungen, bei denen der Treuhänder selbstständig agiert. Deloitte-Experte Lang rechnet mit einem langwierigen Verfahren über die Beurteilung der Vermögensstruktur der liechtensteinischen Stiftungen.

Ein besonders Steuer-“Zuckerl“ beinhaltet das Abkommen mit Liechtenstein. Österreicher können bis zum Inkrafttreten des Abkommens ihr weltweit unversteuertes Kapital nach Liechtenstein überweisen und dort dann anonym versteuern. (APA)


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