Pilgertour mit dem E-Bike

Der Ischgler Altbürgermeister Erwin Cimarolli (71) ließ sich auf 987 Rad-Kilometern vom Geist der Rom-Pilger inspirieren.

Vom Helmut Wenzel

Ischgl, Innsbruck, Rom –In acht Tagen mit dem E-Bike auf einem Pilgerweg nach Rom? „Das ist ein gutes Gefühl“, erzählt der Ischgler Altbürgermeister Erwin Cimarolli. Am Samstag, 7. September, hatte er nach 987 Kilometern im Sattel sein Ziel erreicht – den Petersplatz. „Mit einem normalen Fahrrad hätte ich es nicht geschafft. Aber mit dem E-Bike sind Tagesetappen über 100 Kilometer für Leute in meinem Alter kein Problem“, erzählt der 71-Jährige.

2012 war Cimarolli 545 Kilometer den Inn entlang vom Malojapass bis zur Mündung in Passau unterwegs gewesen. Zur Radtour nach Rom hat ihn der Tiroler Autor Ferdinand Treml motiviert. Letzterer ist Herausgeber eines Führers, der allerdings den Fußweg der mittelalterlichen Pilgertour beschreibt. „Drei Viertel der Original-Wegstrecke konnte ich mit dem Bike befahren. Wo das nicht möglich war, bin ich auf Landstraßen ausgewichen“, so der Altbürgermeister.

Ausgangspunkt war am 31. August die Tiroler Landeshauptstadt. Beim Start am Domplatz in Innsbruck besorgte er sich den Pilgerpass für die Etappenziele – diverse Klöster entlang der Strecke. 28 Stempel und mehrere Urkunden bezeugen, dass Cimarolli korrekt auf dem historischen Pilgerweg unterwegs war.

Und noch etwas Wichtiges hatte Cimarolli im Gepäck mit dabei: Der Ischgler Pfarrer Michael Stieber gab ihm ein Empfehlungsschreiben mit der Bitte um Unterstützung für den Radpilger mit auf den Weg. Eine Unterstützung, die er gut gebrauchen konnte: Da die Pilgerroute nicht durchgängig beschildert ist, musste er etwa immer wieder nachfragen – in Umbrien, in der Emilia Romagna und auch in der Toskana. „Die Leute waren freundlich und sehr hilfsbereit.“ Das Angebot auf ein Getränk nahm er stets gerne an, um den Akku des E-Bikes aufzuladen. Am öftesten hörte er „sempre dritto“ (immer geradeaus). „Da wusste ich, die Route stimmt.“

Herzliche Begegnungen gab es auch mit den Äbten der Klöster. „Als Pilger ist man sehr willkommen.“ Besonders in Erinnerung bleiben wird ihm das Kloster Farfa nördlich von Rom. „Der Abt hat mir die bedeutende Benediktinerabtei aus dem 6. Jahrhundert sehr ausführlich gezeigt.“ Ansonsten radelte der E-Bike-Fan meistens allein: „Aber man trifft immer wieder Pilger aus verschiedenen Ländern Europas. Dann ist man ein Stück des Weges gemeinsam unterwegs.“

Zumindest einen kleinen Wermutstropfen gab es allerdings für den Kunstfreund Cimarolli: „Auf Sehenswürdigkeiten und sakrale Bauten trifft man am laufenden Band. Vieles kann man aber leider nur kurz besichtigen. Aber auch die Landschaft selbst ist ein Erlebnis. Mir ist jetzt klar, warum Goethe von seiner Italienreise geschwärmt hat.“

Die Rückreise mit der Bahn war dann etwas mühsam, der Radpilger musste mehrmals umsteigen. Die Mitnahme von Fahrrädern ist nämlich nur in Regionalzügen erlaubt.


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