Von „Verrat“ bis „Hetze“: Hartes Duell Faymann gegen Strache

FPÖ-Chef Strache attestierte dem Kanzler, Familien, Pensionisten und Arbeitnehmer verraten zu haben. Faymann warf Strache vor, „die Leute aufzuhetzen“ und mit falschen Zahlen zu arbeiten.

Wien - Ein erwartungsgemäß hartes haben sich Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und FP-Chef Heinz-Christian Strache am Dienstagabend in ihrer ORF-TV-Konfrontation geliefert. Strache attestierte dem SP-Vorsitzenden, Familien, Pensionisten und Arbeitnehmer verraten zu haben, Faymann warf dem FP-Obmann vor, „die Leute aufzuhetzen“ und mit falschen Zahlen zu arbeiten. Keine Gemeinsamkeiten fanden die beiden erwartungsgemäß auch in EU-Fragen. Hitzig wurde das Duell nur, als Strache kurz vor Schluss türkischsprachige SP-Wahlwerbung aufs Tapet brachte.

„Unterschiedlicher Stil“

Strache begann die Konfrontation gleich mit einer Frontalattacke, präsentierte die FPÖ als „die moderne Arbeiterpartei“ und warf Faymann vor, die Arbeitslosigkeit schönzureden und zu geringe Pensionsanpassungen vorgenommen zu haben: „Wer, wenn nicht der Herr Faymann, hat Familien, Pensionisten und Arbeitnehmer verraten?“ Faymann wies das zurück und betonte, die Pensionen exakt entlang der Inflationsrate angepasst zu haben. Mehr sei wegen der Finanzmarktkrise nicht möglich gewesen: „Es ist eben ein unterschiedlicher Stil, ob man die Leute aufhetzt oder ob man wie ich als Bundeskanzler die letzten fünf Jahre das Land durch die Krise geführt hat.“ Wünschen würde sich Faymann allerdings den Verzicht auf den Pflegeregress in der Steiermark, wie er sagte.

Während Strache den Ausstieg aus dem Europäischen Stabiliätsmechanismus (ESM) forderte, präsentierte sich Faymann einmal mehr als glühender Europäer: Für einen Wirtschaftsaufschwung müsse man auch in Europa „einen aktiven Beitrag leisten“, betonte der SP-Chef und warf Strache vor, Österreich mit dem Austritt aus der Euro-Zone „in die Massenarbeitslosigkeit“ führen zu wollen.

Einigkeit bei der Lohnsteuer

Einig waren sich die beiden Kontrahenten nur in ihrer Forderung, den Eingangssteuersatz bei der Lohnsteuer auf 25 Prozent zu senken. Wobei Strache Faymann vorwarf, den Vorschlag von der FPÖ übernommen zu haben. Dass das rote Steuerreform-Konzept nicht einmal zwei Wochen vor der Wahl vorgelegt wurde, verteidigte der Bundeskanzler: „Ich finde das in Ordnung, dass man nicht erst bei den Koalitionsverhandlungen etwas auf den Tisch legt.“

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Mehrmals ließen die beiden Kontrahenten ihre persönliche Antipathie deutlich erkennen - etwa wenn Strache sein Gegenüber als „Marionette von Banken und Konzernen“ bezeichnete, oder wenn Faymann dem FP-Chef vorhielt, nur mit Stehsätzen zu arbeiten: „Wenn er aufhört mit den Pauschalurteilen, dann wird er nichts mehr sagen können.“

Debatte glitt in Schreiduell ab

Hitzig wurde die Debatte dennoch nur einmal kurz vor Schluss, als Strache ein Taferl mit türkischsprachiger roter Wahlwerbung auf den Tisch stellte. „Das habe ich nicht in Auftrag gegeben, das haben wir zehnmal klar gestellt“, echauffierte sich der Bundeskanzler, ehe die Debatte in ein kaum noch verständliches Schreiduell abglitt. Bis dahin hatte das „Ausländer“-Thema in der Konfrontation übrigens keine Rolle gespielt.

Sauer reagierte Strache allerdings, als ihm Moderatorin Ingrid Thurnher mit Verweis auf den Amoklauf in Niederösterreich die Forderung der FPÖ nach einem liberaleren Waffenrecht vorhielt: Das sei „schäbig“, so der FP-Chef, der sich im Übrigen gegen die Kriminalisierung aller Jäger wandte, „nur weil einer so ein wahnsinniger Verbrecher war“. (APA)


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