Jukic und Schwimmverband legten Unstimmigkeiten bei

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel fungierte zwischen den beiden Parteien als Vermittler.

Wien – Der Olympia-Vierte Dinko Jukic wird wieder für den österreichischen Schwimmverband (OSV) antreten. Knapp 16 Monate nach dem Beginn der Streitigkeiten bei den Langbahn-Europameisterschaften im Mai 2012 in Debrecen befinden sich die beiden Parteien nach einem am Dienstag in Wien stattgefundenen Schlichtungsgespräch nun nicht mehr auf Konfrontationskurs. Klagen gegeneinander werden laut OSV-Aussendung auf ewig ruhend gestellt.

„Comeback“ bei Kurzbahn-EM?

Das angekündigte Treffen von OSV-Sprecherin Birgit Fürnkranz-Maglock, Jukic sowie in Vermittlerrolle ÖSV-Chef und Rio-2016-Chefkoordinator Peter Schröcksnadel brachte die Streitparteien auf einen Nenner. „Wir reden nur noch über die Zukunft, die Vergangenheit ist passe“, sagte Schröcksnadel. „Dinko will schwimmen und das auch für Österreich. Das freut mich, der Verband braucht einen guten Athleten.“

ukic hatte sein bisher letztes Rennen bei einer vom OSV beschickten Veranstaltung am 27. Mai 2012 bei den Debrecen-Titelkämpfen bestritten. Danach war er im Sommer 2012 für das ÖOC bei Olympia in London am Start und hat seither lediglich Mitte März für seinen zu diesem Zeitpunkt vom OSV schon ausgeschlossen gewesenen Club SC Austria Wien einen Wettkampf bestritten. Nun sind die Weichen für einen sportlichen Neuanfang gestellt.

„Ich bin sehr froh, dass wir einen Schlussstrich gezogen haben und jetzt nur mehr nach vorne schauen“, sagte der 24-Jährige. „Es geht um den Sport, mein Training und meine Leistungen. Das Gespräch mit Birgit (Anm.: Fürnkranz-Maglock) und Peter (Schröcksnadel) war sehr offen und konstruktiv.“ Jukic könnte - bei Qualifikation - schon bei den Kurzbahn-Europameisterschaften vom 12. bis 15. Dezember in Herning/Dänemark antreten.

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Training in den USA

Vor einigen Wochen hatte der Kurzbahn-Europameister 2008 (400 m Lagen) und 2010 (200 m Delfin) gegenüber der APA allerdings angegeben, auf die Langbahn-EM im August 2014 in Berlin hinzuarbeiten. Ob sich das nun ändert, bleibt abzuwarten. Der Vierte der österreichischen Sportlerwahl 2012 hat sich in seiner „Stehzeit“ jedenfalls u.a. bei mehreren mehrwöchigen US-Aufenthalten in Form gehalten.

Dass der erfolgreichste der derzeit aktiven OSV-Athleten auch wieder sportlich für Schlagzeilen sorgen will, nachdem er in seiner schwimmerischen Schaffenspause mit Paul Schauer und Christian Meidlinger mehr oder weniger zwei OSV-Präsidenten zu Fall gebracht hat, freut nicht zuletzt Fürnkranz-Maglock. „Ich freue mich sehr, dass das erste Treffen zwischen Dinko Jukic und mir so positiv verlaufen ist“, ließ die Niederösterreicherin wissen.

Weichen für Olympia 2016 gestellt

Die dreifache Brustlagen-Staatsmeisterin (1994, 1996) sieht nun eine vertrauensvolle Basis für einen Neustart und eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Jukic und dem OSV gegeben. „Damit sind die Weichen für die Olympischen Spiele 2016 in Rio gestellt. Der Österreichische Schwimmverband hat damit den derzeit besten österreichischen Schwimmer wieder an Bord“, sagte die interimistische OSV-Geschäftsführerin.

Besonders die Vermittlertätigkeit von Schröcksnadel hob Fürnkranz-Maglock hervor: „Ohne ihn gäbe es diese Lösung nicht.“ Es ist zu erwarten, dass der 72-Jährige am Donnerstag bei der Bekanntgabe des vorläufigen Rio-Kaders den Namen Dinko Jukic nennen wird. Das deutete Schröcksnadel schon an: „Wichtig war, dass die Entscheidung noch vor der Bekanntgabe des Rio-Kaders gefallen ist. Der Gordische Knoten ist gelöst.“

Sportminister dankt Schröcksnadel

Österreichs oberster Ski-Boss hat die Vermittlerrolle auf Initiative von Gerald Klug übernommen. „Ich möchte mich bei Peter Schröcksnadel ganz herzlich für seinen Einsatz bedanken“, sagte der Sportminister. „Dinko Jukic war der erfolgreichste Sportler (Anm.: Österreichs) bei Olympia in London und ist eine große Hoffnung für Rio 2016. Ich bin zuversichtlich, dass für ihn nun wieder der Sport im Vordergrund steht. Das Projekt Rio wird ihn unterstützen.“

Die von Fürnkranz-Maglock geforderte Jukic-Entschuldigung hat es beim entscheidenden Treffen laut Schröcksnadel nicht gegeben, der Athlet verzichtet mit ruhend Stellung der Klage aber auf schon geäußerte, sich aus der Sperre ergebende Schadenersatzforderungen. Denn nachdem Jukic in erster Instanz recht bekommen hatte, war davon auszugehen, dass der OSV auch mit der schon eingebrachten Berufung abgeblitzt wäre.

Jukic hat seinen Anwalt Thomas Krankl beauftragt, die Klage gegen den OSV fallen zu lassen. Der Jurist hatte seinen (OSV)-Widerpart Anton Ehm aber vorerst noch nicht erreicht. Krankl hat jedoch am Mittwoch die OSV-Berufung im Gerichtsfall des Ausschlusses des Salzburger Landesverbands zugestellt bekommen. Auch hier hat der OSV in erster Instanz verloren, hinsichtlich des Ausschlusses von acht Salzburger Vereinen ist das sogar schon rechtskräftig.

Ebenfalls vom Klagverzicht ausgenommen ist der Gerichtsfall rund um den am 25. Jänner vorgenommenen Ausschluss des SC Austria Wien. Hier hat Krankl Mitte August auf Aufhebung des Ausschlusses geklagt sowie Schadenersatzforderungen geltend gemacht. Da Jukic Austria-Wien-Mitglied ist, würde er bei seinem nächsten Start für einen anderen Club oder den OSV antreten. (APA)


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