Flugzeuge in meinem Bauch

Urlaub ist super. Wenn nur das Fliegen nicht wär’. Aus dem Bordbuch eines Angsthasen.

Hilfe! Ist das normal? Fliegen ist nicht jedermanns Sache.Foto: Thinkstock
© thomas boehm

Innsbruck –Ich mag Fliegen nicht. Am schlimmsten ist der Start. Das Hirn schaltet auf Panik und meldet: Kontrolle verloren! Schweiß bricht aus, die Hände krallen sich in den Schenkel des Sitznachbarn. (Peinlich, das ist ja gar nicht der Ehemann.) Und dann diese Geräusche. Ein leichtes Absacken. (Hilfe, wir stürzen ab!) Plötzlich keine Geräusche mehr. (Hilfe, das Triebwerk fällt aus!) Die anderen scheint das nicht zu stören. Ich suche die Schwimmweste.

Die Situation wird besser, sobald das Flugpersonal das Essenswagerl durch den Gang schiebt. Das würden sie wohl nicht machen, wenn wir abstürzen würden, oder? Käse-Makkaroni als Henkersmahlzeit? Nein, das fühlt sich falsch an. Also wieder locker werden, Schweiß aus den Achseln wischen und so tun, als wäre nichts passiert.

Das Essen wird serviert. Ruhe kehrt ein. Zum Essensduft mischt sich ein leichtes Käsefuß-Odeur. In der Businessclass knallt ein Champagner-Korken. In der Holzklasse versucht man eingeklemmt zwischen den Sitzen einem Henderl Herr zu werden.

Okay. Zumindest die Filmauswahl ist gut. Das ist wiederum schlecht, weil man aufs Schlafen vergisst. Und Schlafen ist wichtig, Sie wissen schon: Langstrecke, Zeitverschiebung, Jetlag und so. Also schlafen. Sofort. Geht aber nicht. Der Sitznachbar schnarcht, die Frau in Reihe 15 hat Bronchitis, ein Baby plärrt. Und währenddessen bläst einem die Klimaanlage auf den Kopf. Mit Decken um den Kopf gewickelt sehe ich aus wie Scheich „Khalid bin am Erfrieren“ von Dubai. Um 5 Uhr werden die Augen des Scheichs schwerer. Doch statt des Sandmanns kommt ein Luftloch oder das Flugpersonal mit klapprigem Wagerl und einem Muffin, der einem die Zuckerwerte in die Höhe treibt. An Schlaf ist nicht zu denken. Nur mein rechter Fuß ist eingeschlafen. Aus dem Scheich wird ein Zombie.

Dann die Landung. Sagte ich, der Start sei das Schlimmste? Ich habe mich geirrt. Es ist die Landung. Vor allem bei Föhn. In Innsbruck. Die Berge. So nah. Mein Gott.

Endlich gelandet. Zwei klatschen. Wie peinlich. Die Stewardess sagt: Bitte beachten Sie das Anschnallzeichen. Alle ignorieren das Anschnallzeichen. Warum eigentlich? Macht doch keinen Sinn, im Gang zu warten. Ich bleibe sitzen. Ist doch schön so im Flieger. Am Boden. So entspannt.


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