Teile Haus, Hof & einfach alles

Online-Börsen mit gebrauchten Waren aller Art boomen. Der Wirtschaft drohen Umsatzverluste. Soziologe und Buchautor Welzer sieht das Ende des „Hyperkonsums“ nahen.

Innsbruck –Teilen ist für die Generation Facebook eine Selbstverständlichkeit. Doch nicht nur Texte, Fotos und Musik werden weitergegeben. Im Internet hat sich eine eigene Wirtschaft des Teilens entwickelt, die so genannte Share Economy. Vom Gebrauchsgegenstand bis zum Urlaubsdomizil: Geteilt, getauscht oder weitervermittelt wird alles, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Für die traditionelle (Geld)- Wirtschaft ist das eine Herausforderung. „Wir müssen auf allen Kanälen präsent sein, durch klassische Kundenberatung, aber auch virtuell über das Web“, betont der Vorstand der Tiroler Sparkasse (TiSpa), Hans Unterdorfer.

Hunderte Interessierte folgten gestern dem Ruf der TiSpa in den Hangar am Innsbrucker Flughafen. Beim diesjährigen Wirtschaftsdialog wurde die Share Economy zusammen mit hochkarätigen Referenten näher beleuchtet, darunter der bekannte deutsche Soziologe und Buchautor Harald Welzer. Er hat es sich mit seiner Stiftung Futurzwei zur Aufgabe gemacht, alternative Lebens- und Wirtschaftsmodelle aufzuzeigen, abseits der ständigen Steigerung von Profit und Wachstum.

Aus der Sicht Welzers befindet sich die Gesellschaft an einem Wendepunkt. Noch würden es zwar manche „als ein Menschenrecht empfinden, einen SUV zu fahren“.

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Doch der Verbrauch von Ressourcen und Energie und die Produktion von Müll als Folge eines „Hyperkonsums“, könne so nicht weitergehen, zeigt sich der 55-Jährige im TT-Gespräch überzeugt. Das Entstehen der Share Economy, von der Basis aus und ohne strategische Planung, sei dafür ein Beleg. Immer mehr Menschen würden zur Einsicht gelangen, dass es ausreiche, sich ein Auto zu teilen.

Die Wirtschaft müsse sich darauf einstellen, spätestens dann, „wenn Umsätze einbrechen weil statt zehn nur noch ein Auto verkauft wird“.

Kein gutes Zeugnis stellt Welzer der Politik ganz allgemein aus. „Die junge Generation glaubt nicht mehr, dass die Regierung alles im Griff hat“, sagt Welzer. Das Gefühl, dass morgen alles besser werde, gebe es nicht mehr.

Die nachkommende Generation würde daher ihr Leben selbst in die Hand nehmen und gestalten, sagt Welzer, der auch an mehreren Universitäten lehrt. (mark)


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