Aufsichtsrat besiegelte vorzeitige Ablöse von Brigitte Ederer

In gegenseitigem Einvernehmen werde die Wienerin Brigitte Ederer ihr Amt im Siemens-Vorstand mit 30. September niederlegen. Laut Medienberichten soll Ederer letztlich am Widerstand der Gewerkschaft IG Metall gescheitert sein.

Brigitte Ederer
© APA/Pfarrhofer

Wien, München – Beim Technologiekonzern Siemens hat nun wieder eine rein deutsche Herrenrunde das Sagen. Die letzte verbliebene weibliche Führungskraft, die Wienerin Brigitte Ederer (57), muss nun auch ihren Platz räumen. Zuvor hatte schon Einkaufschefin Barbara Kux das Handtuch geworfen. Personalchefin Ederer werde das Unternehmen mit 30. September „im gegenseitigen Einvernehmen“ verlassen, teilte der deutsche Weltkonzern heute mit. Ederer selbst werde sich nicht gegenüber Medien äußern, so Siemens auf APA-Anfrage.

Weiters teilte Siemens mit, dass Ralf Thomas neuer Finanzchef wird, SAP-Co-Chef Jim Snabe folgt Josef Ackermann im Aufsichtsrat nach. Ederers Ressort übernimmt Technologie-Vorstand Klaus Helmrich, der sich stärker um die Verbindung Technik und Personal kümmern soll. Die Zusammenlegung begründete Siemens mit der Notwendigkeit, kontinuierlich die besten Talente aus Wissenschaft, Forschung und Technik für sich zu gewinnen.

Ederer war seit 2001 im Unternehmen tätig, zunächst bei Siemens Österreich, ab 2010 dann in der Konzernzentrale in München. Der Vertrag der ehemaligen österreichischen SPÖ-Staatssekretärin wäre eigentlich noch bis Mitte 2015 gelaufen. Ederer war vom Kärntner Peter Löscher nach München geholt worden, dieser musste Ende Juli ebenfalls vorzeitig seinen Sessel als Konzernchef räumen.

Laut Medienberichten soll Ederer letztlich am Widerstand der Gewerkschaft IG Metall gescheitert sein. Sie habe sich unter anderem geweigert, den Arbeitsvertrag von Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler zu verlängern, da er nächstes Jahr die unternehmensinterne Altersgrenze von 65 Jahren erreiche.

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Der Gewerkschafter, der seit 2003 auch Aufsichtsratsmitglied ist, wollte jedoch weitermachen und strebte zudem eine Beförderung an, so die „Süddeutsche Zeitung“. Ein von Siemens in Auftrag gegebenes juristisches Gutachten sei jedoch zum Ergebnis gekommen, dass Adler nicht verlängert werden dürfe. Eine Verlängerung und die Beförderung würde eine „unzulässige Begünstigung“ eines Betriebsrates darstellen.

Der neue Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser hatte sich zu seinem Amtsantritt vor allem Ruhe für den Konzern gewünscht, nachdem die Führungsspitze in den Tagen zuvor durch Macht- und Ränkespiele das Interesse der Öffentlichkeit auf sich gezogen hatte. Ederer wird der Abgang mit einer kolportierten Zahlung von fünf Millionen Euro versüßt.

Zum neuen Finanzvorstand rückt der langjährige Siemens-Manager Ralf Thomas auf, der in der Funktion Joe Kaeser nach seiner Beförderung nach ganz oben folgt. Der 52-jährige Thomas leitete zuletzt das Finanzressort des Sektors Industrie und ist seit 1995 im kaufmännischen Bereich des Konzerns beschäftigt.

Im Aufsichtsrat löst ein Technologieexperte den scheidenden Banker Josef Ackermann ab. Der bisherige SAP -Co-Chef Jim Snabe ersetze den früheren Deutsche-Bank-Chef im Oktober.

Ederer hat sich aus einfachen Verhältnissen bis an die Spitze der deutschen Wirtschaft hochgearbeitet. Aufgewachsen ist sie in einem Wiener Arbeiterviertel bei ihrer alleinerziehenden Mutter. Nach einer steilen Karriere in Politik und Wirtschaft zog sie 2010 in den Siemens-Vorstand ein und war damit eine der wenigen Frauen in der Führung eines Dax-Konzerns.

Groß geworden ist Ederer in der Politik. Nach ihrem Studium der Volkswirtschaft an der Universität Wien wurde sie schon mit 27 Jahren Nationalratsabgeordnete. Es folgten Stationen als Staatssekretärin, zunächst für Integration und Entwicklungszusammenarbeit und dann für europäische Angelegenheiten im österreichischen Bundeskanzleramt. Vor ihrer Berufung in den Vorstand von Siemens Österreich im Jahr 2001 war sie als amtsführende Stadträtin in Wien tätig. (APA/Reuters/dpa)


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