Auf den Spuren des „schwarzen Mannes“

In Nassereith wird am Samstag der 200. Geburtstag des berühmten Orientalisten Aloys Sprenger mit einer Zeitreise gefeiert.

Von Hubert Daum

Nassereith –Aloys Sprenger ist zweifellos Nassereiths größter Sohn der Geisteswissenschaften. Doch was bewegte einen jungen Mann Mitte des 19. Jahrhunderts, ohne finanzielle Mittel seine Heimat zu verlassen? Und wie ist es möglich, dass Sprenger zu einem weltberühmten Orientalisten und Sprachwissenschafter aufstieg, ohne der Aristokratie anzugehören? Diesen und anderen spannenden Fragen geht der Nassereither Kulturverein „in acereto“ (übersetzt „im Ahornwald“ – wahrscheinlich der Ursprung des Dorfnamens) am Samstag im hiesigen Gemeindesaal nach.

Sprenger wuchs in bescheidenen Verhältnissen in Nassereith auf und wurde schon damals im Dorf als „Sonderling“ angesehen. Nach dem Studium in Innsbruck und Wien strebte er eine Diplomatenkarriere an, was ihm als Nicht-Aristokrat verwährt blieb. Nun gab er seinem unbändigen Drang nach, die Welt zu bereisen und fand in London einen Gönner. In Oxford schloss der spätere Weltenbummler sein Medizinstudium ab. Sein geniales Sprachentalent wurde alsbald erkannt, speziell von der britischen Armee, durch die er schließlich in den Orient nach Indien und Pakistan gelangte. Nun ging sein Stern auf. Als Übersetzer der unzähligen Dialekte und die Transkription der Amtssprache „Urdu“ ins Englische stieg sein Ruhm kometenhaft. Während seiner Reisen in zahlreiche orientalische Länder erwarb er Schriften, die nun als eine der größten orientalischen Sammelwerke gelten und Eigentum der Staatsbibliothek Berlin sind.

Aloys Sprenger, der in Nassereith als der „schwarze Mann“ galt, erreichte mit den Ehrendoktoraten der Universitäten Oxford, Rom und Gießen den Zenit seiner wissenschaftlichen Karriere und starb im 80. Lebensjahr in Heidelberg. Grund genug für den Kulturverein, die samstägige Feier unter das Motto „In 80 Jahren um die Welt“ zu stellen. Die Veranstalter versprechen eine spannende Zeitreise durch das 19. Jahrhundert, die von Herwig van Staa um 19 Uhr eröffnet wird.

Als Höhepunkt gilt die Überreichung der neuen Sprenger-Biografie des pakistanischen Wissenschafters Ikram Chaghatai an die Gemeinde. Diesen Akt wird Jungforscher Jakob Steiner übernehmen. Steiner hielt sich kürzlich in Pakistan auf, um den Verfasser der Biografie persönlich zu treffen und diese in Empfang zu nehmen. „Mich interessiert das Bild, das man in Nassereith von Sprenger hat“, so Steiner. Für historisch Interessierte sicher eine spannende Frage.


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