Platter kappt den TirolBerg: „Ich habe die Schnauze voll“

Landeshauptmann kündigt nach Streitereien mit der Stadt Innsbruck das Ende der traditionellen Tirol-Auftritte bei Sport-Großveranstaltungen an.

Von Max Strozzi

Innsbruck –Der so genannte „TirolBerg“ ist seit vielen Jahren ein Fixpunkt bei diversen Sportgroßveranstaltungen wie Ski-Weltmeisterschaften. Über Empfänge, medaillenbehängte Sportler und Promis wird dort Tirols Tourismus ins Bild gerückt und Tirols Tourismus in die Auslage gestellt. Bei den Olympischen Winterspielen Russland 2014 wird der TirolBerg gemeinsam mit dem Österreicher-Haus noch als „Austrian Tirol House“ geführt, danach ist aber Schluss, kündigte LH Günther Platter an. „Sotschi ist das letzte Mal, dass wir einen TirolBerg machen“, sagte ein sichtlich verärgerter LH Günther Platter gestern im Rahmen des Tourismustages auf der Innsbrucker Gastromesse Fafga an. Regelmäßig wird zwischen den Tourismusverbänden, der Tirol Werbung und dem Land Tirol über die Finanzierung und Teilnahme am TirolBerg gestritten.

Bereits das Tirol-Engagement im Rahmen des Österreich-Hauses bei den Olympischen Sommerspielen in London 2012 (Kostenpunkt: eine Million Euro) hatte im Vorfeld zu Reibereien bei der Finanzierung geführt. Zudem fahren diverse Tourismusverbände bei Großereignissen schon seit Längerem eine eigene Schiene und zweifeln am Nutzen von gemeinsamen Tourismus-Aktionen unter dem Dach eines „TirolBergs“. Zuletzt hatte auch die Stadt Innsbruck die Teilnahme am Tirol-Engagement in Sotschi abgesagt. 25.000 Euro hätte die Stadt an den Gesamtfinanzierung von einer kolportierten Million Euro springen lassen sollen. „Ich habe die Schnauze voll“, schimpfte Platter: „Da machen wir einen TirolBerg, der viel Geld kostet und viel­e Nebengeräusche hervorbringt, und die Olympiastadt und groß­e Tourismusverbänd­e ziehen nicht mit – das ist zu bedauern.“

Franz Tschiderer, Obmann des Tirol Tourism Board (TTB), einer Art Aufsichtsrat der Tirol Werbung (TW), will das angekündigte Ende des traditionellen TirolBergs nicht kommentieren. „Wir sind dazu da, ein langfristiges Konzept mitzugestalten und langfristig zu bewerten, welche Aktivität wie und wo stattfinden soll. Möglicherweise kann ein TirolBerg Platz haben, aber möglicherweise nicht“, so Tschiderer: „Es ist aber nicht meine Aufgabe, Aussagen des Landeshauptmanns zu kommentieren. Wir sind dazu da, ein langfristiges Konzept mitzugestalten.“

Ischgl als Tourismusregion war bislang beim TirolBerg stets mit an Bord. Auch Ischgls TVB-Obmann Alfons Parth kritisiert die Stadt Innsbruck. „Grundsätzlich muss man darüber reden, wenn Innsbruck in Sotschi nicht dabei ist. Auch 2008 bei der Fußball-EM hat der TVB Paznaun-Ischgl 25.000 Euro hineingesteckt, alle Tourismusverbände haben ihren Obolus geleistet. Da ist es umso mehr unverständlich, dass eine Olympiastadt nicht mitmacht.“ Trotz des angekündigten Endes für den TirolBerg sieht er eine Hintertür. „Wir werden uns mit den großen Tourismusverbänden, dem Landeshauptmann und der Tirol Werbung zusammentun und eine Lösung finden“, so Parth.

Für Ischgls TVB-Geschäftsführer Andreas Steibl hingegen wäre ein Ende des TirolBergs kein gutes Signal. „Damit würde ein internationaler und sehr professioneller Auftritt verloren gehen, der Wertschöpfung und Nächtigungen für Tirol gebracht hat“, so Steibl: „Man sollte mit so etwas Erfolgreichem nicht aufhören.“


Kommentieren


Schlagworte