Erinnerung an den Wort- und Bildmaler Reinhold Stecher

Sein Nachlass barg viele unveröffentlichte Kostbarkeiten: Bereits Tausende Vorbestellungen für die „Nachlese“ des beliebten Tiroler Altbischofs.

Von Michaela Spirk-Paulmichl

Innsbruck –Als sich Reinhold Stecher im Winter vergangenen Jahres zu einer von zahlreichen Signierstunden in Innsbruck einfand, stimmten die vielen Wartenden spontan ein „Happy Birth­day, lieber Bischof“ an. Wer an diesem Tag dort war, um sich eine Ausgabe von Stechers „Spätlese“ mit persönlicher Widmung versehen zu lassen, erinnert sich an einen fröhlichen Altbischof, der das improvisierte Ständchen mit einem schelmischen „Thank you“ kommentierte. Es war der 22. Dezember, sein 91. Geburtstag. Stundenlang signierte er Bücher, schrieb Widmungen, unterhielt sich mit den vielen Menschen. „Es war unglaublich“, sagt Tyrolia-Verlagsleiter Gottfried Kompatscher. „Er war einfach unermüdlich. Er hatte das Talent dazu, er war ein Leute-Bischof.“

Die „Spätlese“ wurde 35.000 Mal verkauft und musste fünfmal aufgelegt werden. In einem seiner letzten Interviews hatte er noch gemeint, das Gefühl zu haben, dass es das letzte Buch sei, in dem er noch einmal auf sein Leben zurückblicke. Nach seinem plötzlichen Tod nur einige Wochen später, am 29. Jänner, stieß der Innsbrucker Paul Ladurner, über Jahrzehnte einer von Stechers besten Freunden, beim Durchsehen des Nachlasses auf eine Fülle noch unveröffentlichter Texte, Karikaturen und Bilder. Einige davon erscheinen nun als „Nachlese“ – „für alle, die ihn gekannt, geschätzt und geliebt haben, in der Hoffnung, mit diesem Buch Freude und gute Erinnerung zu bewirken“, wie Ladurner in seinem Vorwort schreibt.

Reinhold Stechers Anliegen, seine Botschaft und seine Ausstrahlung sollten noch möglichst lang erhalten bleiben. Für das Buch, das ab Montag, 30. September, erhältlich ist, gibt es bereits 7000 Vorbestellungen. „Es wäre eine Schande gewesen, diese Kostbarkeiten einem Archiv zu übergeben und nicht den Menschen, die ihn liebten und verehrten“, sagt Verlagsleiter Kompatscher. Statt dessen könne nun jeder diese edle Auswahl aus seinem unveröffentlichten Schaffen nachlesen.

Bei den Texten und Gedichten, die der beliebte Gottesmann zu verschiedenen Anlässen geschrieben hat, handle es sich um die „typische mutige Stecher-Mischung“ – Humorvolles, Berührendes und Ernstes. Der Altbischof, dieser unnachahmliche Wort- und Bildmaler, habe es immer gut verstanden, verschiedene Aspekte unterzubringen. Aus den Texten, noch mehr aber aus den Karikaturen, lache deutlich wie noch nie in seinen Büchern die schalkhafte Freude Stechers an skurrilen Lebenssituationen, so der Verlag. Etwa wenn der Aufmarsch einer Kompanie rekonvaleszenter Soldaten in einer musikalischen Burleske endet.

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Von Reinhold Stecher erschienen insgesamt zwölf Bücher in einer Gesamtauflage von über 650.000 Exemplaren. Der Altbischof war ein „Bestseller“-Autor. Mit seinen Büchern unterstützte er die Behindertenwohngemeinschaft Arche. Das soll auch nach seinem Tod so bleiben, die Honorarerlöse kommen dem Tiroler Projekt zugute.


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