Ziemlich schräge Optik

Schräge Wände, scheinbar willkürlich angeordnete Fenster: Was bei dem Einfamilienhaus in Wängle nach Zufall aussieht, ist exakt geplant und folgt den topografischen Gegebenheiten.

Die Schrägen des weiß verputzten Hauses in Massivbauweise folgen der Hangneigung. Das Nebengebäude – die Garage – in Sichtbeton wurde spitz in den Hang hineingebaut.
© Architekten Rossmann & Tauber

Von Vanessa Grill

Wängle –Auf den ersten Blick wirkt das Haus in Wängle im Bezirk Reutte geradlinig. Doch tatsächlich ist es das nur, wenn man den Kopf neigt. Denn bei genauerer Betrachtung fallen ein schiefes Dach und schräge Kanten und wie zufällig angeordnete Fenster in den unterschiedlichsten Größen auf. „Rechte Winkel findet man tatsächlich nicht überall“, lacht Architekt Dietmar Rossmann. „Die schrägen Wände und spitzen Winkel folgen einerseits der Neigung des Hanges, andererseits ergeben sie sich auch durch die Orientierung an der Grundgrenze.“

Nicht nur die topografische Lage, auch das mit 362 Quadratmetern relativ kleine Grundstück stellte eine Herausforderung für die Architekten Rossmann & Tauber dar. Da bei einem Einfamilienhaus mit einer Wohnnutzfläche von 280 Quadratmetern nur noch wenig Gründflächen übrig bleibt, musste das Team Freiflächen im Gebäude schaffen, die es zum Teil in Form eines begehbaren Daches umsetzte.

Das in Massivbauweise errichtete Einfamilienhaus ist weiß verputzt. Die Garage mit zwei Abstellplätzen hingegen in Sichtbeton ausgeführt. Dieses Nebengebäude schneidet sich spitz in den Hang hinein. „Der spitze zum Hang gerichtete Winkel wurde schon vor Jahrhunderten zum Beispiel bei Kapellen angewendet“, erklärt Rossmann, „Naturgefahren wie Muren und Lawinen sollten sich an dem Keil teilen und dadurch abgeschwächt werden. Daran haben wir uns ein Beispiel genommen.“

Durch das Nebengebäude kann das Haus auch überdacht betreten werden. Eine Garderobe mit Glastüre gibt dann bereits einen ersten Einblick in das offene Wohngeschoß des Hauses, das sich nach drei Seiten öffnet. Ein Ofen trennt den Wohnbereich vom Essplatz und der Küche. Der Esstisch steht vor einem großzügigen Fenster, das den Blick auf die Kirche freigibt. „So wird auch das Dorfleben ins Wohnen miteinbezogen“, erzählt der Architekt. Die schlichte weiße Kochinsel ist in den Raum gerichtet, während über der Arbeitsfläche ein Aussichtsfenster eingebaut wurde.

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Nach Süden als Einschnitt in die Fassade umgesetzt, befindet sich eine überdachte Terrasse, die über eine Glasschiebetüre vom Wohnbereich aus erreichbar ist. Durch das Glasgeländer ist diese Terrasse einsichtig, was aber gewünscht sei, so der Architekt, „sie wird zum Kaffeetrinken und Essen genutzt“.

Die privaten Räumlichkeiten sind im Untergeschoß angesiedelt. Dort befinden sich zwei Räume mit eigenem Bad, die bei Bedarf als Kinderzimmer zur Verfügung stehen. Die Bauherren haben sich einen eigenen Bereich mit offenem Schlaf- und Badezimmer und Schrankraum geschaffen.

Als ein Ort des Rückzugs gilt auch das Obergeschoß. Eine Bibliothek und eine großzügige, teilweise überdachte Dachterrasse dienen der Entspannung. Dort ist man vor den Blicken der Nachbarn geschützt, kann selbst aber den grandiosen Ausblick über den Talkessel genießen.

Die obere Kante des Wohngeschoßes, die zugleich Balkonbrüstung ist, verläuft parallel zur Hangneigung, während das Dach des obersten Geschoßes waagrecht abgeschnitten ist. Die Idee dahinter erklärt Rossmann: „Das Wechselspiel zwischen waagrechten und an die Hangneigung angelehnten Linien ergibt eben die interessante Optik des Hauses.“


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