Skulpturen als flüchtig poetische Raumbilder

Von Edith Schlocker...

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Kathrin Partelli sei eine „Skulpturentagträumerin“, hat der renommierte polnische Ausstellungsmacher Adam Budak über die junge, in München lebende Südtiroler Bildhauerin gesagt. Um damit exakt ins Schwarze zu treffen, wie die Ausstellung der 33-Jährigen in der Neuen Galerie in der Innsbrucker Hofburg zeigt. Deren drei hintere Räume Partelli in subtile Raumbilder verwandelt hat, deren Teil der Besucher wird. Ob er will oder nicht.

Aus Papier, Holz, Styropor, Stoff und Draht sowie diversen Fundstücken collagiert Partelli ihre fragilen Skulpturen, bei denen die Zwischenräume fast gleich wichtig sind wie das eigentlich Skulptierte. Vorarbeiten zu ihren Arbeiten entstünden zwar im Atelier in der Form von kleinen Zeichnungen – vier davon sind in der Schau zu sehen –, wie eines ihrer Raumbilder wirklich ausschauen wird, entscheide sich allerdings immer erst vor Ort, sagt Partelli, sei primär eine Frage von Emotionen, ein prozesshaftes, letztlich unwiederholbares Tun.

Ein ausgeklügelter Balanceakt zwischen Leere und Leichtigkeit, Zufälligem und exakten Setzungen. Etwa in der Form eines gefundenen eisernen 1-Kilo-Gewichts, das Partelli auf eine bemalte bzw. bezeichnete hölzerne Schleife in der Arbeit stellt, die „und nie gewesen scheint“ heißt. Zu der auch ein kleiner Haufen weißen Marmormehls gehört, der gefährlich nah am Eingang zum nächsten Raum steht. Als Kokettieren mit dem Endlichen als zentraler Teil des künstlerischen Konzepts.

Wie eine Zeichnung im Raum kommt die Arbeit „dazwischen“ daher, die sich fast schwerelos von Wand zu Wand, Boden und Decke hantelt, subtil spielend mit den Qualitäten von Materialien und der (Nicht-)Farbe Weiß. Dass auch Schrift zum skulpturalen Element taugt, zeigt sich in der Arbeit „an Marie“. In der das Materielle sehr trügerisch ist, angefangen vom schwarzen Rechteck am Boden, das aus Graphitstaub besteht, über den bruchstückhaft rätselhaften – gefundenen – Text, dessen Projektion sich poetisch an der Wand verliert.


Kommentieren


Schlagworte