Würth-Hochenburger-Chefs rechnen mit mehr Wettbewerb

Die Würth-Hochenburger-vorstände Alfred Bernhard und Othmar Lutz glauben, dass Tirol keine weiteren Baumärkte mehr braucht.

Blickt man nach Osteuropa oder Deutschland, scheint die Baumarktbranche in Schwierigkeiten zu stecken. Wie geht es den österreichischen Baumärkten?

Alfred Bernhard: Die Beispiele Praktiker und Deutschland zeigen, dass die Branche sehr wettbewerbsintensiv ist, es kommt zu einer Verdichtung. Die Marktteilnehmer werden weniger werden. Österreich kann sich von dieser Entwicklung nicht abkoppeln. Wir erwarten ebenso hierzulande eine weitere Reduktion der Marktteilnehmer und eine Erhöhung der Wettbewerbssituation.

Wie schätzen Sie den Tiroler Markt ein?

Bernhard: Österreich und Tirol haben die höchste Baumarktdichte Europas. Es gibt jedoch Stimmen, die meinen, es gäbe noch Luft für weitere Baumärkte in Tirol. Wir sehen das nicht so. Wenn man sich die Märkte in Innsbruck anschaut, dann ist die Flächenproduktivität im Vergleich zu Märkten in Wien oder Linz unterdurchschnittlich. Aus unserer Sicht ist Innsbruck mehr als dicht. Österreich ist seit vielen Jahren ein stagnierender Markt. Wir gehen davon aus, dass sich das Volumen in den nächsten Jahren nicht mehr erhöht. Derzeit liegen die Branchen-Umsatzzahlen um sechs Prozent unter denen des Vorjahres.

Wo sehen Sie noch Potenzial, um mehr Kunden anzulocken?

Othmar Lutz: Wir unterscheiden uns vom Mitbewerber durch Marken- und Qualitätsprodukte, Fachberatung sowie Workshops. Der Baustoffhandel macht etwa 80 Prozent des Umsatzes aus, der Baumarktbereich etwa 20 Prozent. Wir nähern diese beiden Segmente einander an. Bestes Beispiel dafür ist unser Standort in Wörgl. Dort haben wir das Thema „Drive in“ aufgegriffen. Der Kunde schleppt nicht mehr die schweren Baustoffprodukte selbst zum Auto, sondern in einer Ladezone belädt einer unserer Mitarbeiter das Auto des Kunden.

Service ist also alles?

Bernhard: Nicht nur. Der allgemeine Trend geht zu Eigenmarken, wir hingegen setzen auf Markenartikel. Wir sind der Meinung, Würth-Hochenburger muss so viele Mitarbeiter haben, dass der Kunde sie nicht suchen muss, sondern dass die Mitarbeiter auf die Kunden zugehen. Der dritte Aspekt ist das Handling: Im Baubereich gibt es viele schwere Produkte, die für den Einkaufswagen nicht geeignet sind. Dafür bieten wir mit dem „Drive in“ eine Lösung an.

Etwas unterentwickelt ist der Online-Handel in der Baumarkt-Branche. Will Würth-Hochen­burger sich im Netz mehr engagieren?

Lutz: Wir werden uns dem Thema nicht ganz verschließen können. Kunden nützen die Portale für Preisvergleiche, kehren aber dann oft in den stationären Handel zurück, um dort das Produkt zu kaufen.

Was plant Würth-Ho­chenburger mittelfristig?

Bernhard: Heuer wurden die Baustoffniederlassung Wals-Siezenheim mit dem Schwerpunkt Trockenbau, der Baumarkt Oberalm und der Kombistandort mit Baumarkt und Baustoffen in Wörgl eröffnet. Wir sind in Westösterreich etabliert und haben nicht vor, geografisch zu wachsen. Wir modernisieren jedoch sukzessive unsere Standorte.

Also ist auch keine Expansion nach Südtirol geplant?

Bernhard: Wir können kein Italienisch.


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