In Kufstein stehen die Räder still

Um auf die Vignettenproblematik aufmerksam zu machen, wird heute die Schubertstraße von 10 bis 15 Uhr blockiert. Kufsteins Pflichtschüler nehmen nach einem Beschluss der Schulleiter nicht daran teil.

Von Michael Mader

Kufstein –Ab dem 1. Dezember wird die Asfinag auch auf der Autobahn zwischen der Staatsgrenze und Kufstein-Süd Vignettenkontrollen durchführen. 15 Jahre lang wurde das aufgrund von mündlichen Abmachungen zwischen der Kufsteiner Stadtführung und den jeweiligen zuständigen Ministern nicht praktiziert. Kufstein sowie die Umlandgemeinden wie etwa Ebbs, Niederndorf und die bayerischen Nachbarn Kiefersfelden und Oberaudorf fürchten deshalb, ab dem Winter von Vignettenflüchtlingen regelrecht überrollt zu werden.

Den Protestnoten aus den Gemeinden folgen heute Taten: Die Stadtgemeinde Kufstein organisiert unter dem Motto „Noch gehört die Straße uns“ nicht nur eine vorgezogene Aktion zum Autofreien Tag, sondern will auch vor Ort über die Vignettenproblematik diskutieren. Dazu wird genau jene Straße von 10 bis 15 Uhr gesperrt, die vom drohenden Ausweichverkehr am meisten betroffen wäre: nämlich die Schubertstraße. Von der so genannten Wendlinger Kreuzung bis zur Einfahrt Langkampfner Straße werden deshalb die Räder still­stehen.

Erwartet werden neben der Kufsteiner Stadtführung und den Vertretern der einzelnen Fraktionen im Gemeinderat auch die Nachbarbürgermeister. Nach dem Motto „Offenes Podium – jeder kann das Wort ergreifen“ ist auch die Bevölkerung eingeladen, ihre Meinung kundzutun. „Wir wollen möglichst viele Meinungsbilder haben und schauen, ob die Bevölkerung überhaupt mobilisierbar ist“, sagt Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel. Nebenbei gibt es die verschiedensten Aktionen zum Autofreien Tag, den die Stadtgemeinde ebenfalls in die Schubertstraße verlegt hat. Dort gibt es Infos über sanfte Mobilität und ein Rahmenprogramm, das vom Ausprobieren von Funbikes über eine Hüpfburg bis hin zu Kinderschminken reicht. Zudem gibt es Live-Musik von Lisa Mauracher & Band.

Schulgruppen mit Lehrpersonen – zumindest aus den Kufsteiner Pflichtschulen – werden an der Veranstaltung nicht teilnehmen. Das hätten die Schulleiter bei einer Besprechung einstimmig beschlossen, weiß Bezirksschul­inspektorin Margarethe Egger: „Ich persönlich finde es zwar gut, dass etwas gemacht wird, und auch die Schulleiter sehen das so, aber ich habe größte Bedenken, dass hier die Schüler instrumentalisiert werden.“

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Was die Lehrer ganz offensichtlich stört, ist die Einladung der Stadtgemeinde, in der die Schulen „darum gebeten werden, mit den Schülern Plakate zu diesem Thema zu malen und zu der Veranstaltung zu kommen“. Egger: „Das als schulbezogene Veranstaltung zu bewerten, fällt mir schwer, und ich wüsste auch nicht, wo man da als Schulleiter ansetzen könnte, um einen Lehrausgang zu rechtfertigen.“ Die Schüler würden aber Informationsmaterial mitbekommen und in ihrer Freizeit die Veranstaltung besuchen.

Krumschnabel sieht das nicht so dramatisch: „Wenn wir nur so Leute hinbringen, indem sie zwangsverpflichtet werden, ist das eh nicht richtig. Wichtig ist, dass man freiwillig kommt.“ Auf der anderen Seite sei die Veranstaltung völlig parteifrei und generationenübergreifend. „Kinder sind unsere Zukunft und hier geht es vor allem auch um ihre Zukunft“, sagt der Bürgermeister. Er sei auch schon gespannt, wie groß die Anteilnahme der Bevölkerung an der Kundgebung sei: „Wir haben bislang ja nur Statements von Politikern.“


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