Schwere „Kraxn“ für Fischer

Unterschriften für mehr Budget sammelten die alpinen Vereine. 3,6 Mio. Euro jährlich – eine Verdoppelung – bis 2017 sind zugesichert. Noch fehlt die gesetzliche Verankerung.

Wien –„Das schaut schwer aus“, lachte Bundespräsident Heinz Fischer gestern, als ihm von einer Delegation des Verbands alpiner Vereine Österreichs (VAVÖ) Dutzende Petitionsbücher voller Unterschriften präsentiert wurden. In einer „Wegebauer-Kraxn“ trug ein Ehrenamtlicher die 50 Kilo schweren Bücher in die Hofburg, wo die Dachorganisation aller bedeutenden heimischen alpinen Vereine ihr gemeinsames Anliegen vorbrachte: Nämlich aufmerksam machen auf die steigenden Erhaltungskosten der Hütten und Bergwege. Auf die derzeit knappen finanziellen Mittel hinweisen. Und schließlich auf mehr Budget der öffentlichen Hand und die gesetzliche Verankerung der jährlichen Förderung für Alpenverein, Naturfreunde und Co. pochen.

125.000 Unterschriften wurden in den letzten zweieinhalb Monaten gesammelt, online und direkt auf den Berghütten. „Wir haben dadurch erfahren, dass die Öffentlichkeit hinter uns steht“, freute sich Andreas Ermacora, Präsident des Oesterreichischen Alpenvereins. Und bezeichnete die 475 Hütten und 50.000 Kilometer Bergwege als „Teil der Identität Österreichs“. Auch VAVÖ-Präsident Franz Kassel ist sich sicher, dass das Anliegen der Vereine von der „breiten Öffentlichkeit“ verstanden und unterstützt wird. Tausende Ehrenamtliche und Freiwillige arbeiten jedes Jahr mit, um das „wanderbare Österreich“ für einheimische Bergsportler sowie Naturliebhaber aus dem Ausland „wanderbar“ zu erhalten – und zwar „unentgeltlich“. Nun aber sei man an die Grenzen des Machbaren gestoßen, langfristige Projekte seien mit knappen und unsicheren Budgets nicht verwirklichbar. „Ohne weitere Hilfe“ gehe es nicht mehr, betonte Kassel.

Bei Fischer stießen die Verantwortlichen damit auf offene Ohren. 1972 wurde der begeisterte Bergfan Präsident der Naturfreunde, heute ist er Schirmherr der alpinen Vereine und kennt und schätzt den „touristischen Schatz“ in den Bergen. „Daher setze ich mich gerne für eine notwendige finanzielle Ausstattung des Hütten- und Wegenetzes ein und werde dies auch in Zukunft bei meinen Gesprächspartnern tun“, versprach Fischer, der anerkennend zur Kenntnis nahm, dass das Thema „aus dem Wahlkampf herausgehalten“ wurde und nicht von einer Partei vereinnahmt wurde. Von einem „historischen Schulterschluss aller alpinen Vereine“ sprach auch Naturfreunde-Vorsitzender Karl Frais. Denn immerhin gehe es um „ein gesellschaftspolitisches, nicht um ein vereinspolitisches Anliegen“.

Gute Nachrichten in der Sache konnte Andreas Ermacora verkünden. Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) gab eine schriftliche Zusage zu einer Aufstockung des Budgets der Dachorganisation für 2013 bis 2017 von 3,6 Millionen Euro jährlich. „Das ist eine Verdoppelung der Förderung“, zeigte sich der Alpenvereins-Präsident „sehr, sehr zufrieden“. Damit können die Vereine nun „gut arbeiten und planen“. Nun hofft man, dass auch die Forderung nach einer gesetzlichen Absicherung des jährlichen Budgets für die alpinen Vereine gelingt. Damit Österreicher und Touristen weiterhin sicher die Hütten und Wege erwandern können. (ritz)


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