Medaillen als Ziel: Förderkader für Rio 2016 fixiert

39 Aktive und sieben Teams erhalten eine Spitzenförderung für 2014.

Wien – Peter Schröcksnadel, der ehrenamtliche Chefkoordinator des Projektes Rio 2016, hat am Donnerstag in Wien die Kader präsentiert, deren Angehörige in den Genuss der neugestalteten Spitzensport-Förderung kommen. Sportminister Gerald Klug stellt für das von seinem Vorgänger initiierte Vorhaben insgesamt 20 Millionen Euro zur Verfügung, ab Jänner werden für 2014 nach dem neuen System 2,5 Millionen an die Aktiven verteilt, 2,5 Millionen fließen für Infrastrukturmaßnahmen. Der Kader für die Spitzenförderung umfasst derzeit 39 Aktive, unter denen 12 Paralympics-Teilnehmer sind, und 7 Mannschaften.

Minister Klug hat im Mai Schröcksnadel als Koordinator präsentiert und freute sich gut vier Monate später darüber, dass die Förderung nun auf neue Beine gestellt werden konnte. Aktive, die in den Bereich Spitzensport aufgenommen werden, erhalten Förderungen nur noch aus diesem Topf, die 20 Angehörigen des Hoffnungskaders bekommen ihre Mittel aus dem davon unabhängigen Bereich des Teams Rot-Weiß-Rot.

London als Auslöser

Ausgelöst worden war das „Projekt Rio“ durch die medaillenlos gebliebenen Sommerspiele 2012 in London. Die gezielte Förderung, weg vom Gießkannensystem, soll laut Schröcksnadel schon bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro Erfolg zeigen. „Ich bin total überzeugt, dass wir einige Athleten haben, die etwas gewinnen können. Wir haben das Ziel drei bis fünf Medaillen und ich bin absolut sicher, dass das kommt“, erklärte der Chef des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), der auch Vizepräsident im ÖOC ist.

Der nun präsentierte Kader mit dem Motto „Wir haben ein Ziel“ - 20 Athleten waren im Haus des Sports dabei - sei aber keineswegs für die nächsten Jahre fix, sagte Schröcksnadel. „Der Kader gilt für das kommende Jahr, man ist nur dann fix, wenn man auch Leistung bringt. Das Ziel ist nicht Rio, sondern Medaillen zu machen in Rio. Das ist ein großer Unterschied“, betonte Schröcksnadel.

Auswahl durch Fachverbände

Die Auswahl der Kader-Athleten erfolgte nach Vorschlag durch die Fachverbände durch das Trio Christoph Sieber (ÖOC), Harald Horschinegg (IMSB/Team Rot-Weiß-Rot) und Ewald Klinger (Ministerium), das die operative Ebene unter Schröcksnadel bildet. In den Genuss der Spitzenförderung, deren Höhe je nach den unterschiedlichen Bedürfnissen der Sportarten variiert, kommen nicht nur etablierte Sportlerinnen und Sportler, sondern auch solche, denen Perspektive zugebilligt wird.

„Man kann nur nach bestem Wissen und Gewissen die Athleten und ihr Umfeld betrachten und danach auswählen, Medaillen kann man nicht versprechen“, erklärte Surf-Olympiasieger Sieber die Kriterien. Ein Kreis von rund 100 Aktiven sei sondiert worden.

Als einziger Schwimmer ist im Top-Segment Dinko Jukic dabei, dessen Einigung mit dem Verband (OSV) über Vermittlung von Schröcksnadel am Mittwoch präsentiert worden war, und als einzige Leichtathletin gehört Beate Schrott diesem Kreis an. Vertreten sind überdies Segeln (6), Kanu (5), Triathlon (4), Beach-Volleyball (2 plus A. Horst), Judo (3), Schießen (2), Rudern (1 plus ein Zweier und ein Vierer als Mannschaften), Ringen (1) und Moderner Fünfkampf (1).

Der aktuelle Kader der neugestalteten österreichischen Spitzenförderung für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro umfasst derzeit folgende Aktive:

Einzelsportler (27):

Beach-Volleyball (2): Doris und Stefanie Schwaiger;

Judo (3): Bernadette Graf, Kathrin Unterwurzacher, Sabrina Filzmoser;

Kanu (5): Viktoria Schwarz, Ana Lehaci, Yvonne Schuring, Corinna Kuhnle, Violetta Oblinger-Peters;

Leichtathletik (1): Beate Schrott;

Moderner Fünfkampf (1): Thomas Daniel;

Ringen (1): Amer Hrustanovic;

Rudern (1): Magdalena Lobnig;

Schießen (2): Lisa Ungerank, Stephanie Obermoser;

Schwimmen (1): Dinko Jukic;

Segeln (6): Nico Delle Karth, Nikolaus Resch, Matthias Schmid, Florian Reichstädter, Thomas Zajac, Tanja Frank;

Triathlon (4): Lisa Perterer, Sara Vilic, Luis Knabl, Thomas Springer;

Paralympics (12):

Kanu (1): Markus Swoboda;

Leichtathletik (4): Thomas Geierspichler; Natalia Eder, Bil Marinkovic, Günther Matzinger;

Rad/Handbike (2): Walter Ablinger, Wolfgang Schattauer;

Reiten (1): Pepo Puch; Schwimmen (1): Andreas Onea; Segeln (1): Sven Reiger; Tischtennis (2): Doris Mader, Stanislaw Fraczyk;

Teams (7):

Säbelfechten (4): Lukas Galli, Nikolai Nikolic, Gilbert Schwarz, Matthias Willau;

Handball: Nationalteam Frauen und Männer;

Rudern (7): LG-Zweier (Paul Sieber, Bernhard Sieber); LG-Vierer (Florian Berg, Joschka Helmeier; Alexander Chernikov, Dominik Siegl, Markus Lemp);

Tischtennis (6): Robert Gardos, Daniel Habesohn, Stefan Fegerl, Liu Jia, Sofia Polcanova, Amelie Solja;

Beach-Volleyball (1): Alexander Horst;

Kader Hope (Hoffnung):

Hockey: Nationalteam Herren;

Judo (2): Tina Zeltner, Hilde Drexler;

Kanu (2): Viktoria Wolffhardt, Lisa Leitner;

Leichtathletik (4): Ivona Dadic, Andreas Vojta, Lukas Weißhaidinger, Gerhard Mayer;

Rad (2): Elisabeth Osl, Alexander Gehbauer;

Ringen (1): Florian Marchl;

Schießen (2): Alexander Schmirl, Thomas Mathis;

Segeln (4): David Bargehr, Lukas Mähr, Benjamin Bildstein, David Hussl;

Taekwondo (1): Edines Kurtovic;

Wasserspringen (1): Constantin Blaha;

„Versprechen kann man nie etwas“

Auch die Förderung von Teams ist ein Anliegen. „Wir haben tolle Mannschaften. Wir müssen sie hinführen, damit sie auch die Chance auf eine Qualifikation haben“, sagte ÖOC-Präsident Karl Stoss. Spitzenförderung ist demnach für Handball (Frauen und Männer), Tischtennis (Frauen und Männer) und Säbelfechter vorgesehen, die Hockey-Herren sind vorerst im Bereich „Hope“ (Hoffnung) angesiedelt.

Im Bereich Infrastruktur wurden u.a. der Bau des Wildwasserkanals in Wien gefördert, weiters wurde etwa in High-Tech-Messgeräte für Meeresströmung- und Wind für die Segler vor Rio investiert.

Doris und Stefanie Schwaiger haben auf dem Weg zum EM-Titel bereits von Fördermaßnahmen profitiert. „Wir haben heuer bei den Turnieren eine Physiotherapeutin und einen Statistiker mitgehabt, das war sehr hilfreich, um die Ziele zu erreichen“, betonte Doris Schwaiger.

Ruderer Bernhard Sieber, der mit seinem Bruder Paul ein Duo bildet, freute sich darüber, dass im Vorfeld der WM innerhalb nur einer Woche die Zusage für den Kauf eines neuen Bootes kam, weil das andere schon nach Südkorea verschifft war. „So etwas haben wir bisher nicht erlebt“, meinte der WM-Neunte. „Versprechen kann man nie etwas, weil man weiß, wie knapp es zugeht. Aber so wie das in uns brennt, wird es reichen, um Medaillen zu holen“, sagte Sieber im Namen der Aktiven. (APA)


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