Klostervariationen und das pralle Leben

Musikalischer Saisonauftakt am Tiroler Landestheater mit Oper und Musical: „La forza del destino“ und „Non(n)sens“.

Innsbruck –Mit Giuseppe Verdis gewaltigstem romantischen Panorama, der Oper „La forza del destino“, eröffnet das Tiroler Landestheater heut­e Samstag die Opernsaison: ein­e Huldigung an den großen Italiener, dem in diesem Wagner/Verdi-Jubiläumsjahr die zweite Halbzeit gehört. Sonntag Abend folgt in den Kammerspielen mit dem Musical „Non(n)sens“ das Kontrastprogramm.

Anfang der 1860er-Jahre hatte Verdi anderes im Kopf als Oper. Er interessiert sich glühend für die italienischen Unabhängigkeitsbestrebungen, gehört der Provinzialversammlung seines Heimatbezirkes Busseto an, nimmt Anfang 1861 an der Eröffnungssitzung des ersten gesamtitalienischen Parlaments teil und lässt sich auf Ersuchen von Premierminister Cavour zum Abgeordneten wählen. Cavour leitet Verdis Pläne zur Neuorganisierung der Musikschulen und Opernhäuser in die Wege: Statt der Herrschaft der Impresari sollen in Rom, Mailand und Neapel Opernzentren und Orchester und Chöre staatlich subventioniert werden. Angegliedert sind Konservatorien.

Da erreicht Verdi ein Opernauftrag aus St. Petersburg. Er schlägt ein Sujet von Victor Hugo vor, aber ein Aufsteiger aus dem Volk in einer korrupten Monarchie ist nicht eben die Traumhandlung des Zaren. Verdi, der Widerspruch nicht erträgt, schiebt das Projekt beiseite. Da stirbt Cavour, Verdi wird wieder zum Komponisten und sein politisches Zwischenspiel bald ab­brechen. Das neue Angebot aus dem Osten bewilligt nun alles, „außer“, wie Verdis Gattin Giuseppina humorvoll notiert, „in Russland die Republik auszurufen“.

Verdis vertont „La forza del destino“, „Die Macht des Schicksals“, ein von Francesco Maria Piave eingerichtetes Libretto nach dem Drama des Herzogs von Riva, Angel de Saavedra. Ein großangelegtes, sprunghaftes Stück, das in der unglaubwürdigen, psychoanalytisch mannigfach gedeuteten Dreiecksgeschichte zwischen Leonora, ihrem Bruder Carlo und ihrem Geliebten Alvaro Spiritualität dem prallen Leben, Kloster und Eremitage kriegerischem Treiben entgegensetzt. Ganz große Gefühle, viel herrlicher Verdi.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

1861 schickt Giuseppina Teigwaren, Salami und Käse nach St. Petersburg voraus, darauf will Verdi nicht verzichten. Aber die Premiere findet nicht statt, weil die Sängerin der Leonore sich krank meldet. Die begeistert aufgenommene Uraufführung findet ein Jahr später statt. Nach mehreren Aufführungen in Europa, Nord- und Südamerika überarbeitet Verdi das ausgreifend­e Werk 1869 für die Mailänder Scala – die heute allgemein gespielte Fassung.

Samstag Männerkloster, Sonntag Frauenkloster. In den Kammerspielen kommt Dan Goggins Musical „Non(n)sens“ heraus. Fünf Nonnen, die sich singend, tanzend, spielend ausleben, um Geld zur Beerdigung vergifteter Mitschwestern aufzutreiben und die Zelle mit der Bühne vertauschen. (u.st.)


Kommentieren


Schlagworte