Tiroler Schulsystem „grenzt aus“

Die Kritik am Tiroler Sonderschulsystem geht weiter. Zu starke Ausgrenzung und Aussonderung, zu wenig (sprachliche) Förderung.

Von B. Warenski

Innsbruck, Wien –Regelschule in Wohnortnähe mit Unterstützung von so genannten Schulassistenten statt Sonderschule für Kinder mit Beeinträchtigung. Das fordert bekanntlich die MOHI-Tirol.

Dass die UNO-Behindertenrechtskonvention, die Österreich Schritt für Schritt umsetzen wird, „vorsieht, dass es keine klassischen Sonderschulen mehr gibt“, bestätigt Josef Galley, Sprecher von Unterrichtsministerin Claudia Schmied. „Aber das ist ein langfristiger Entwicklungsprozess. Und man muss auch betonen, dass es sogar aus den Reihen der Betroffenen die Forderung gibt, bei mehrfacher schwerster Behinderung eine Form der Sonderschule zu erhalten“, so Galley.

Als vorbildhafte Region für den inklusiven Unterricht nennt Galley Südtirol, während in Nordtirol laut Galley „auch oft falsche Kinder in der Sonderschule sitzen. Es gibt Beispiele, wo Kinder in einer Sonderschule sind, die eigentlich nur eine Sprachförderung bräuchten.“ Das bestätigt auch Wolfgang Begus vom Verein Integration Tirol: „Es ist unübersehbar, dass in Tirols Sonderschulen überdurchschnittlich viele Kinder mit Migrationshintergrund sind. In Tirol wird immer noch mehr ausgegrenzt und ausgesondert, statt zu fördern.“

Soziallandesrätin Christine Baur gesteht ein, dass die Kritik an den Rahmenbedingungen für die Schulassistenz „schon berechtigt ist. Ich weiß, dass es hier strukturelle Mängel gibt. Wir werden diese auch angehen und versuchen, sie baldmöglichst zu beheben. Wir werden mit der MOHI das Gespräch suchen, damit sie ihre Erfahrungen einbringen kann.“

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