Migrantin abgeblitzt: Kein Platz für Kind in Integrationsklasse

Obwohl jedes Kind das Recht auf einen Platz in einer Integrationsklasse hat, ist eine mongolische Migrantin abgeblitzt. Ihre Tochter sitzt nun in der Sonderschule.

Von Brigitte Warenski

Innsbruck –Bei der neunjährigen N. wurde von den Ärzten „Entwicklungsverzögerung“ diagnostiziert. Sie kann bis heute nur wenige Worte schreiben, ist manchmal unkonzentriert, tut sich mit dem Sprechen hart.

Weil die Tochter einer mongolischen Migrantin in Osttirol bereits eine Integrationsklasse besucht hat, „habe ich natürlich gehofft, dass mein Kind das auch in Innsbruck tun kann“, so die Mutter. Als sie aber bei den zuständigen Stellen ihr Anliegen vorbrachte, machte man ihr klar, dass es „leider keinen Platz in einer Integrationsklasse gibt“. Nun geht N. seit über einem Jahr im Sonderpädagogischen Zentrum in der Siegmairstraße in die Schule, das vor allem Kindern mit mehrfacher schwerer körperlicher Behinderung vorbehalten ist. Dass sich die verzweifelte Mutter mit der Situation abfinden muss, ist „einfach nicht wahr“, stellt Marianne Liener-Kapper von der Familienberatungsstelle des Vereins Integration Tirol klar. „Jedes Kind hat schon seit 20 Jahren das Recht auf einen Platz in einer Integrationsklasse. Es gibt keine Ausreden, dass es keinen Platz oder kein Personal gibt oder dass die notwendige Infrastruktur fehlt. Das Gesetz sieht eindeutig vor, dass Kinder mit Beeinträchtigung jeder Art aufgenommen werden müssen“, so Liener-Kapper.

Dass gerade Kinder mit Migrationshintergrund „ohne großen Verweis auf ihre Rechte in die Sonderschulen abgeschoben werden, ist nichts Neues. Es gibt dreimal so viele Kinder mit Migrationshintergrund als Tiroler Kinder, die in die Sonderschule kommen“, sagt Lie­ner-Kapper.

Argumenten, die für den Erhalt der Sonderschule sprechen, kann sie nichts abgewinnen: „Im Bezirk Reutte gibt es keine einzige Sonderschule. Alle Kinder mit Behinderung sind in Integrationsklassen untergebracht und das funktioniert auch“, sagt Liener-Kapper. „Verrückt“ findet sie vor allem, „dass man zuerst Kinder in der Schule ausgrenzt und viel Geld in die Sonderschulen investiert und dann wieder viel Geld ausgibt, um sie später am Arbeitsmarkt zu integrieren“. Auch wenn die Sonderschule „eine Rundumbetreuung bietet“, gibt es für Liener-Kapper keine Form der Behinderung, die für ihr Fortbestehen spricht: „Jedem Kind bringt es etwas, wenn es von den ,normalen‘ Kindern etwas abschauen kann. Das ist immer motivierend.“


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