Von Lift-Obergrenzen und Pyromanen

Tourismus-Zugpferd oder Belastungs-Maulesel? Beim Seilbahntag in St. Anton wurde heftig über Ausbau-Projekte und politische Vorgaben diskutiert.

Von Alois Vahrner

St. Anton –Erster Seilbahntag seit dem Regierungseintritt der Grünen: Dementsprechend gespannt waren die aus dem ganzen Land in die Arlberg-Tourismushochburg gepilgerten Seilbahner auf die Ansagen der schwarz-grünen Politspitzen. Die für die Umwelt zuständige Landeshauptmann-Stellvertreterin und Grünen-Frontfrau Ingrid Felipe möchte nicht nur mehr Frauen in der sehr männerlastigen Seilbahnbranche sehen, sondern den Spagat zwischen wettbewerbsfähigen Seilbahnen und intakter Natur schaffen. Ökologisch vertretbare Entwicklungen in Skigebieten müssten weiter möglich sein. Es gehe um nachhaltigen Tourismus. „Das Motto muss heißen: besser, nicht größer.“

Der für die Raumordnung zuständige Landesrat Hannes Tratter (VP) wies darauf hin, dass derzeit bereits 25 Prozent der Landesfläche in Schutzgebieten liege, aber nur 3 Prozent der Fläche für Seilbahnen gewidmet und nur 1 Prozent tatsächlich genutzt würden. Funktionierender Tourismus sei in den Tälern überlebenswichtig, um die Absiedelung zu bremsen, zumal etwa für Osttirol in den nächsten 20 Jahren ein Bevölkerungsminus von 10 Prozent vorausgesagt werde. „Wer absiedelt, sind oft jüngere Frauen.“

LH Günther Platter warnte davor, dass trotz Rekordsaisonen die Preisspirale im Tourismus nach unten zu gehen drohe. Bei der Ausweisung von Natura-2000-Gebieten gelte es mit Augenmaß vorzugehen und nicht in bestehende Skigebiete einzugreifen. „Sinnvolle Verbindungen, wie von St. Anton nach Kappl“, müssten weiterhin möglich sein, Neuerschließungen hingegen nicht. „Vielfach sind die Kapazitäten erschöpft.“

Platter verlangt neue Konzepte, um die Jugend zum Skifahren zu bringen. Ein Erfolg sei die heuer 20.000-mal verkaufte Tirol-Card (davon 5000 in Deutschland). Diese sollte auf den Sommer bzw. das ganze Jahr ausgedehnt werden.

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Der Rechtsexperte Eduard Wallnöfer betonte, dass das Paznauntal, Landeck, Sölden, das Stubaital, der Talschluss im Zillertal, Kals, das Defereggen-, das Isel- und das Villgratental und die Venedigergruppe von Natura 2000 betroffen seien.

Für Seilbahner-Obmann Franz Hörl sind die Seilbahnen die Zugpferde des Tiroler Tourismus, weil sie letztlich 21 der 26 Mio. Winternächtigungen erst ermöglichen würden. Wichtig seien auch die alpinen Vereine, die verdoppelte Bundesförderung sollte aber laut Hörl „für Wege und Schutzhütten und nicht für Hochglanzprospekte“ ausgegeben werden.

Die Seilbahnbranche sei aber leider auch ein „mit Attacken und Anschüttungen vollbepackter Maulesel“. Kein Verständnis habe er (wohl mit Hinweis etwa auf den Streit um die Piz Val Gronda und andere Projekte) für Vereins­angestellte und Politiker, die „als zündelnde Pyromanen“ den österreichischen Rechtsstaat nicht anerkennen wollen und Verfahren in Brüssel und Straßburg anstrengen. Hörl drängt auf Verbindungen wie zwischen Pitztal und Ötztal, aber auch den Zusammenschluss im Großraum zwischen Mutters und Neustift (mit der Verbindung über die Kalkkögel). Da müssten die Signale von Rot auf Grün gestellt werden, fordert Hörl. „Liebe Frau Felipe, Grün heißt nicht Stopp!“


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