Angst vor einer neuen Finanzblase

Die aktuelle Geldpolitik der US-Notenbank erinnert fatal an die Zeit vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise.

Washington –Ben Ber­nanke, Chef der US-Notenbank Fed, geht in den letzten Monaten seiner Amtszeit ein hohes Risiko ein. Der mächtigste Notenbanker der Welt hat den Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes überraschend doch noch einmal aufgeschoben.

Die Fed kauft weiter US-Staatsanleihen im gigantischen Ausmaß von 85 Mrd. Dollar (63,7 Mrd. Euro) – pro Monat.

Dies just in einer Zeit, da den USA erneut die Staatspleite droht, weil Repräsentantenhaus und Senat sich nicht einig sind über den Budgetkurs von Präsident Obama.

Der Versuch, die Wirtschaft mit der Notenpresse anzukurbeln, droht für Bernanke zum Bumerang zu werden. Denn bereits jetzt entspricht der Kurs vieler Aktien an der Wall Street nicht mehr den Daten der Unternehmen.

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Das viele billige Geld sorgt für Partystimmung an den Börsen. Die Preise von Aktien, Immobilien und Rentenpapieren steigen. Doch der große Katzenjammer droht, wenn die Droge Geld entzogen wird. Es geht die Angst um vor einer neuen Finanzblase.

Bernanke könnte in eine ähnliche Falle tappen wie sein legendärer Vorgänger Alan Greenspan, den er 2005 an der Spitze der Fed abgelöst hatte.

Greenspan hielt die US-Wirtschaft mit seiner lockeren Geldpolitik nach der Jahrtausendwende lange bei Laune. Er schuf zugleich aber den Nährboden für eine Immobilienblase und letztlich die weltweite Finanzkrise, die zahlreiche Banken und später viele Staaten an den Rand des Zusammenbruchs brachte.

Ben Bernankes Amtszeit endet offiziell Ende Jänner 2014. Es bleibt ihm wenig Zeit, um den Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik einzuleiten, den er selbst für dieses Jahr in Aussicht gestellt hatte. Ein Hinauszögern könnte fatale Folgen haben, wie das Beispiel Alan Greenspan lehrt.

„Man muss vorsichtig sein mit historischen Vergleichen. Doch am Ende stand damals die große Depression“, erinnert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Dass Bernanke vor der Kehrtwende zurückscheut, ist ihm unverständlich: „Die US-Wirtschaft ist aus der Gefahrenzone heraus. Ich verstehe nicht, warum sich die US-Notenbank nicht traut, die Anleihe-Käufe etwas zurückzufahren.“ Bernanke riskiere „neue Übertreibungen an den Finanzmärkten“.

Die Folgen der großen Geldschwemme unter Alan Greenspan sind noch in Erinnerung. Der einst als Zauberer unter den Notenbankern gepriesene Vorgänger Bernankes hatte nach dem Platzen der Internetblase und den Terroranschlägen vom 11. September 2001 den Leitzins kräftig gesenkt. Erst Mitte 2004 straffte Greenspan die Geldpolitik. Viel zu spät, wie sich zeigte.

Mit billigem Geld hatte die Fed einen exzessiven Immobilienboom befeuert, einen Konsumrausch auf Pump. Als die Zinsen stiegen und die Häuserpreise einbrachen, war die Katastrophe da. Seit dem Kollaps der Investmentbank Lehman Bro­thers vor fünf Jahren hält die Finanzkrise die Welt in Atem. (Reuters, TT)


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