Iraks Kurden wählen Parlament: Opposition hofft auf mehr Einfluss

Die kurdischen Gebiete im Nordirak gehören zu den ruhigen Regionen in dem von Terroranschlägen gebeutelten Land. Die Parlamentswahl soll eine weitere Demokratisierung bringen.

Erbil - Die irakischen Kurden haben am Samstag in ihrem Autonomiegebiet im Norden des Landes über ein neues Parlament abgestimmt. Beobachter berichteten von einer regen Wahlbeteiligung - nach Schätzungen gingen zwei Drittel der rund drei Millionen Stimmberechtigten wählen. Zwischenfälle gab es nach Angaben der Wahlkommission nicht.

In der Bevölkerung wird das Ergebnis mit Spannung erwartet, da erstmals die beiden wichtigsten Parteien - die Kurdische Demokratische Partei (KDP) und die Patriotische Union Kurdistans (PUK) - gegeneinander antraten. Bei vorangegangenen Wahlen hatten sie eine gemeinsame Liste gebildet. Kleinere Parteien sehen nun die Chance, politisch an Einfluss zu gewinnen.

Hoffnungen auf mehr politische Teilhabe macht sich vor allem die oppositionelle Gorran-Bewegung, die insbesondere die Korruption in der Region anprangert. Auch zwei islamische Parteien, die Kurdische Islamische Union und die Islamische Liga hoffen auf Stimmzuwächse. Mit Ergebnissen wird allerdings erst in einigen Tagen gerechnet.

Drei Millionen Wahlberechtigte, mehr als 1000 Kandidaten

Rund drei Millionen Kurden in den Provinzen Dohuk, Erbil und Suleimanija konnten zwischen 1129 Kandidaten wählen, die sich für die kommenden vier Jahre um die 111 Sitze im Autonomie-Parlament beworben haben. 30 Prozent der Mandate sind für Frauen reserviert, elf Sitze für religiöse und ethnische Minderheiten wie Turkmenen oder Christen.

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Die Sicherheitslage im Kurdengebiet ist wesentlich besser als in vielen anderen Regionen des Iraks. Mit der Zentralregierung in Bagdad gibt es aber immer wieder Konflikte - wegen kurdischer Gebietsansprüche sowie der Förderung von Öl und Gas in umstrittenen Gebieten.

Seit 1991 ist der kurdische Norden des Iraks weitgehend autonom. Nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein durch die US-Armee im Frühjahr 2003 wurde offiziell der Zusammenschluss der drei Nordprovinzen zum Autonomiegebiet „Kurdistan des Iraks“ erklärt. Der Präsident und die kurdische Regierung haben ihren Sitz in der Stadt Erbil. In den Schulen wird auf kurdisch unterrichtet, die Region hat eine eigene Flagge und eigene Streitkräfte. (dpa)


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