Mindestens 78 Tote bei Anschlag auf Kirche in Peshawar

Die Gläubigen strömten gerade aus dem Sonntagsgottesdienst in Peshawar, da sprengten sich vor der Kirche zwei Attentäter in die Luft. Sie richteten ein Blutbad unter den pakistanischen Christen an.

Eine anglikanische Kirche in Peshawar wurde im September Opfer eines Selbstmordanschlags.
© EPA

Peshawar - Bei einem Selbstmordanschlag auf Christen vor einer Kirche in der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar sind am Sonntag mindestens 78 Menschen getötet worden. Unter ihnen seien 34 Frauen und sieben Kinder, sagte Innenminister Chaudhry Nisar Ali Khan. Mehr als 145 Menschen wurden bei dem Doppelanschlag nach Abschluss des Gottesdienst verletzt.

Der Leiter der örtlichen Polizeiwache, Muhammed Noor, sagte, in der Kirche sei gerade das Abschlussgebet gebetet worden. Vor dem Gotteshaus habe die Verteilung von Essen begonnen, als die beiden Selbstmord-Attentäter sich dort in die Luft sprengten.

Ein Augenzeuge sagte dem Sender Geo TV, mindestens 600 Gläubige seien zu dem Zeitpunkt auf dem Kirchenareal versammelt gewesen. Nach Polizeiangaben trug jeder der beiden Attentäter sechs Kilo Sprengstoff bei sich. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Im Nordwesten Pakistans verüben Taliban-Gruppen regelmäßig Anschläge.

Bischof Sadiq Daniel, der den anglikanischen Kirchen in Pakistan vorsteht, forderte einen besseren Schutz der Gotteshäuser. Er kündigte eine dreitägige Trauer an, bei der alle christlichen Bildungs- und Sozialeinrichtungen geschlossen blieben. In christlichen Krankenhäusern würde nur die Notaufnahme geöffnet.

Premier Sharif: „Terroristen haben keine Religion“

Premierminister Nawaz Sharif verurteilte den Anschlag. Es sei gegen die Lehren des Islams und aller Religionen, Unschuldige anzugreifen, hieß es in einer Mitteilung. „Terroristen haben keine Religion.“ Sharif versucht seit seiner Amtsübernahme im Juni, Gespräche mit den pakistanischen Taliban (TTP) in die Wege zu leiten. Bisher sind diese Versuche erfolglos geblieben. Die Taliban setzen ihre Gewalttaten unbeirrt fort.

Christen in Pakistan klagen besonders im Zusammenhang mit den international umstrittenen Blasphemiegesetzen des Landes über Diskriminierung. Erst im Juli wurde ein Christ als Gotteslästerer zu lebenslanger Haft verurteilt. Die mögliche Todesstrafe wegen Blasphemie wurde bisher nicht vollstreckt, doch wurden mehrere Angeklagte nach ihrer Freilassung von Islamisten gelyncht. Nicht-Muslime - darunter Christen und Hindus - stellen weniger als fünf Prozent der rund 180 Millionen Pakistaner.

Unterdessen kündigten die Flüchtlinge aus dem Servitenkloster in Wien eine Kranzniederlegung um 11.30 vor der Servitenkirche in Gedenken an die Opfer des Anschlags in Peshawar an. Zuvor hatten die Flüchtlinge erneut die Votivkirche in Wien besetzt, diese wurde jedoch nach kurzer Zeit von der Polizei geräumt.

(dpa)


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