Neckischer Nonnen Nonsens

Dan Goggins „Non(n)sens“, ein Musikspaß mit großartigen Darstellern, in den Kammerspielen des Tiroler Landestheaters.

Von Ursula Strohal

Innsbruck – Singende Nonnen ziehen, von der realen Soeur Sourire bis zur Film-Musical-Komödie „Sister Act“. Gedanken darüber braucht man sich nicht zu machen, wenn „Non(n)sens“ angesetzt ist, denn der Titel der 1986 uraufgeführten Nummern­revue, „Nunsense“, ist nicht nur geschickt übersetzt, sondern auch Programm: Nonsens. Unterhaltsame Blödelei, die in der Neufassung von Benjamin Baumann nur selten an den Rand des Geschmacks streift und den Nonnenhabit unter der Knöchellinie belässt.

Witz, Aberwitz und Humor hat die Geschichte ohne Handlung, die Michael D. Zimmermann in ein urtypisch reales Ambiente stellt und Musicalspezialistin Ursula Lysser mit Tempo, Bewegungsfreude und ein bisschen Slapstick fröhlich inszeniert und choreographiert hat, ohne die Möglichkeiten der wenigen ernsten Augenblicke zu übersehen. Hansjörg Maringer übernahm die musikalische Einrichtung und ist an den Drums, Stephan Costa an Piano und Keyboards, Max Bauer an Klarinette und Saxophon, am Bass alternieren Andy Veit und Jessi Kreuz. Eine tolle Band, die mit jedem Song Sound und die rechte Stimmung bringt, die Soli satt unterfüttert, auf die enorm geforderten Darsteller aber auch aufpasst.

Das „letzte Abendmahl“ mit Fischsuppe hat 52 Nonnen den Wunsch nach der ewigen Seligkeit erfüllt. Das Geld reicht nicht, um sie alle zu bestatten. So finden sich unter den wenigen Übriggebliebenen inklusiv­e Mutter Oberin fünf, die ihre unterdrückten Talente in einem Benefizauftritt outen, um die restlichen Verblichenen aus der Tiefkühltruhe zu bringen. Manchmal, sagte Oscar Wilde, muss man auch auf ein Opfer verzichten können.

In den Kammerspielen hat sich dazu eine sensationelle Truppe zusammengefunden, die sich in die fünf Frauenrollen mit Können und Enthusiasmus hineinlegt, ohne sich oder die Nonnen zu entäußern. Dale Albright, der wie die anderen mehr aus seiner Roll­e macht, als drin ist, ist eine ganz wunderbare, unglaublich komische Oberin. Mit seiner Song-, Musical- und Pop-Vertrautheit kann Kristina Cosumano (Schwester Robert Anne) mithalten, die da auch mit ihrer Bühnenpräsenz ganz in ihrem Element ist. Der stimmlich ebenfalls opulenten Ruth Müller als Schwester Maria Hubert behagt ihr Name ebenso wenig wie ihre Nummer zwei im Konvent. Astrid Vosberg als Schwester Maria Amnesia, der einst ein stürzendes Kreuz zum Gedächtnisverlust verhalf, gelingt eine zauberhafte Charmeoffensive, ein Höhepunkt ihr Bauchsingen mit Puppe. Für die kurzfristig erkrankte Sophie Mitterhuber sprang süß und tänzelnd Elen­a Zvirbulis als Schwester Maria Leo ein.

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