Angela Merkel - allein erfolgreich

Es war ihr Wahlkampf, sie war das Programm: Angela Merkel hat die CDU wieder in ersehnte Höhen geführt. In welcher Konstellation sie ihre dritte Kanzlerschaft antreten kann? Nicht mehr mit Schwarz-Gelb.

CDU-Chefin Angela Merkel feierte einen fulminanten Wahlsieg, muss nun aber einen neuen Koalitionspartner suchen.
© REUTERS

Von Sascha Meyer und Kristina Dunz/dpa

Berlin - Es war ihr Wahlkampf, sie war Programm: Angela Merkel hat die CDU wieder in ersehnte Höhen gehievt. Wie sie eine neue Regierung für ihre dritte Kanzlerschaft bilden kann, ist aber vorerst ungewiss. Alles schien zunächst möglich - nur nicht Schwarz-Gelb.

„Bisschen aufgeregt ist man natürlich auch“, hatte Angela Merkel noch am Vortag gesagt. Als die Kanzlerin am Sonntag eine Dreiviertelstunde nach Schließung der Wahllokale auf die Bühne der völlig überfüllten CDU-Zentrale kommt, ist der Jubel riesig. „Heute können wir echt froh sein“, sagt Merkel und winkt leicht mit der Hand. Triumphierende Gesten zeigt die 59-Jährige selbst im Moment ihres wohl größten Sieges nicht. Dabei hat die Union ersten Hochrechnungen zufolge erstmals seit langen Jahren wieder die magische 40-Prozent-Marke geknackt. In die Karten schauen lassen will sich die CDU-Chefin im Trubel des Abends aber noch nicht.

„Es ist zu früh, genau zu sagen, wie wir vorgehen“, sagt Merkel. Auf der Bühne steht sie nicht allein, gekommen sind auch ihre Vize-Vorsitzenden Armin Laschet, Ursula von der Leyen, Thomas Strobl, Generalsekretär Hermann Gröhe, Unionsfraktionschef Volker Kauder und Gerda Hasselfeldt von der CSU - und als sehr seltener Gast ihr Mann Joachim Sauer, der an der Seite steht. Merkel dankt auch ihm. Und auch er wird frenetisch beklatscht. Wie immer scheint ihn das eher verlegen zu machen.

Angeschwollen ist Jubel wie in einer Fankurve schon um Punkt 18.00 Uhr, als der schwarze Balken der Union in den ersten Prognosen auf den TV-Bildschirmen weit nach oben steigt. „Oh wie ist das schön, so was hat man lange nicht geseh‘n“, singen junge Aktive in den orangefarbenen Shirts des „teAM Deuschland“, das bis in die letzten Wahlkampfstunden unterwegs war - für AM wie Angela Merkel.

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Bestes Ergebnis seit 1990

Der Wahlkampf war komplett auf sie zugeschnitten. Die populäre Kanzlerin sollte es richten - und hat geliefert. Die Union ist mit weitem Abstand stärkste Kraft geworden. Seit 1990 mit damals 43,8 Prozent sind CDU und CSU im Bund nicht mehr so stark gewesen, damals hieß der Kanzler Helmut Kohl. „Das ist für die CDU ein Tag, wie wir ihn seit Jahren nicht mehr gehabt haben“, sagt Laschet in Fernsehkameras. „Fantastisch“, schwärmt von der Leyen.

Die für die Mitglieder so enttäuschenden 33,8 Prozent von 2009 hat Merkel wett gemacht. Die Frage war am frühen Sonntagabend aber, was dies für eine künftige Bundesregierung bedeuten wird. Merkel hat das Heft des Handels in der Hand. Nach den Hochrechnungen kurz nach 19.00 Uhr schien sogar eine absolute Mehrheit der Mandate möglich.

Den CDU-Wahlkampfslogan „Gemeinsam erfolgreich“ konnte Merkel nicht auf ihre schwarz-gelbe Koalition ummünzen - sie war allein erfolgreich. Dabei waren die Liberalen der erklärte Wunschpartner, wie schon 2009. Damals an die FDP verlorene Stimmen dürften CDU und CSU nun zu großen Teilen wieder zurückgeholt haben. Also gegebenenfalls ein neues Bündnis mit der SPD? Oder Schwarz-Grün? Als in den Prognosen zu Beginn des Abends das schwächere Ergebnis der Grünen erwähnt wurde, brandete jedenfalls noch einmal Extra-Jubel auf im Atrium des Konrad-Adenauer-Hauses.

Selbstbewusste CSU

Wenn es nun an Koalitionsgespräche gehen soll, müssen aber auch die Schwesterparteien CDU und CSU ihr Verhältnis justieren. Auch das Selbstbewusstsein der CSU ist mächtig gestiegen, seitdem sie bei der Landtagswahl vor einer Woche die Alleinregierung in Bayern zurückerobern konnte. Nach der ersten Bayern-Hochrechnung vom Sonntagabend hat sie im Freistaat bei der Bundestagswahl sogar 50 Prozent geholt. Nach den obligatorischen Beteuerungen der Geschlossenheit im Wahlkampf stehen zwischen Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer jetzt jedenfalls einige Klärungen an.

Ausgerechnet die beiden Spitzenleute höchstpersönlich haben dafür gesorgt, dass sich ein altbekanntes Thema zu einer heiklen Frage der Glaubwürdigkeit hochschaukelte. Die bayerischen Wähler im Blick, versprach Seehofer ultimativ, im Bund keinen Koalitionsvertrag ohne eine Pkw-Maut für Ausländer zu unterzeichnen. Merkel hielt den Ball lange flach, sah sich dann aber doch genötigt, ebenso ultimativ dagegenzuhalten: „Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben.“ Wie eine von Merkel angekündigte Lösung aussehen könnte, ist ungewiss.

Einträchtig hohe Priorität legen CDU und CSU besonders auf ein Anliegen, das in der schwarz-gelben Koalition nicht zustande kam: Rentenverbesserungen für Mütter, die vor 1992 Kinder bekommen haben. So strahlend Merkels Unionsergebnis bei der Bundestagswahl auch war - es könnte eine dritte Kanzlerschaft werden, die sie zum Nachdenken über den besten Zeitpunkt für einen Ausstieg bewegt - wenn sie selbstbestimmt aufhören und sich nicht abwählen lassen will.


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