Eine Almhütte sieht grün

Für den Deutschen Alpenverein hat die Tiroler Architektin Christina Krimbacher eine ökologische Mustersanierung durchgeführt. Die Bochumer Hütte, auch Kelchalm genannt, entspricht nun dem Niedrigenergiestandard.

Von Vanessa Grill

K elchalpe, Kelchalm, Bochumer Hütte – egal unter welchem Namen man die Hütte oberhalb von Aurach kennt, für die Kitzbüheler ist sie ein beliebtes Ausflugsziel. Dabei sieht sie mit ihrem Walmdach, den Gaupen und dem Glockenturm gar nicht aus wie eine typische Tiroler Hütte. „Das rührt daher“, erklärt Architektin Christina Krimbacher, „dass es sich hierbei ursprünglich um ein Knappenhaus handelte.“ Mitte des 19. Jahrhunderts war die „Kelchalpe“ die produktivste Kupferabbaustätte im Bezirk Kitzbühel. Das Berghaus wurde 1832 für die Bergarbeiter errichtet. „Ein Teil des Gebäudes, die Gewölbe, in denen sich nun eine kleine Stube und die Nassräume befinden, sind älter als der Rest. Um diese Räume herum wurde schließlich das 800 Quadratmeter große Knappenhaus gebaut“, so Krimbacher.

1926 wurde der Bergbau schließlich stillgelegt. 1964 ging die Kelchalpe in den Besitz der Sektion Bochum des Deutschen Alpenvereins über, daher rührt auch der neue Name Bochumer Hütte. Noch heute erinnert das alte Gebäude an das Bergarbeiterheim. „Bei allen Renovierungen im Laufe der Jahrzehnte hat man versucht, den historischen Charakter zu erhalten. So auch jetzt“, erklärt Krimbacher. Die gebürtige Kirchbergerin war selbst oft zu Gast auf der Hütte, bevor sie sich der Herausforderung einer ökologischen Mustersanierung des Deutschen Alpenvereins stellte.

„Die Sanierung verlief in mehreren Stufen“, erklärt Krimbacher. 2011 erfolgte der Anschluss der Hütte ans Stromnetz und eine biologische Kleinkläranlage ersetzte die Sickergrube. Ein Jahr später stand die Küche auf dem Plan, heuer im Frühjahr dann die Außenfassade inklusive Dach, Fenstern und Fluchttreppe. Das dicke Natursteinmauerwerk im Erdgeschoß wurde mit Hanf, der obere Teil, ein Holzblockbau, mit Zellulose gedämmt und schließlich mit unbehandeltem, heimischem Lärchenholz verschalt. Die Dämmung am Dach besteht aus Holzfasern. Insgesamt entspricht die Bochumer Hütte durch die Sanierung nun dem Niedrigenergiestandard. Um neue Fenster einzusetzen, mussten die Ausschnitte etwas vergrößert werden. „Damit optisch aber alles beim Alten bleibt, wurden die Rahmen anschließend wieder überdämmt“, erklärt Krimbacher. Eine Kompletterneuerung sei auch beim Glockenturm und den sieben Gaupen auf dem Dach fällig gewesen. Die Architektin legte außerdem großes Augenmerk auf emissions- und lösungsmittelfreie Farben und Lacke. Weiters soll das bestehende Bioheizkraftwerk in den nächsten Jahren durch eine Holzheizung ersetzt werden. Ein Kamin dafür ist bereits vorgesehen.

Die größte Herausforderung bei der Sanierung stellte wohl die Lage auf 1400 Metern Höhe dar. Der geplante Baubeginn im April hatte sich wegen Schneefalls bis Mai verzögert. Im Juni hätten dann Vermurungen für eine erneute Bauverzögerung gesorgt, berichtet die Architektin. „Wegen des steilen, engen und kurvigen Zufahrtsweges mussten Material, Werkzeug und sogar ein Kran mit dem Traktor nach oben transportiert werden. Auch die Alpenvereinsmitglieder der Sektion Bochum haben kräftig mitangepackt und zum Beispiel die Fugen zwischen Wand und Fenstern händisch mit Zellulosestreifen ausgestopft“, erzählt Krimbacher. Die Arbeiter standen unter Zeitdruck. Es war wichtig, dass die Kelchalpe mit 60 Übernachtungsmöglichkeiten und 60 Bewirtungsplätzen so schnell wie möglich wieder aufsperrt, um den finanziellen Verlust so gering wie möglich zu halten, handelt es sich doch um einen Ganzjahresbetrieb. Die groben Bauarbeiten konnten bereits im August beendet werden. Nächsten Samstag erfolgt die offizielle Wiedereröffnung.


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