Rietzer Ortschef lässt wieder Wogen hochgehen

Nach eingestellten Verfahren zu Motocrossplatz will BM Krug Anzeiger für Aufwand zur Kasse bitten. Umweltreferentin LHStv. Felipe übt harsche Kritik.

Rietz –Es gibt nichts, was es in Rietz nicht gibt. Für Barbar­a Jaud-Dollinger, eine massiv­e Kritikerin der umstrittenen Motocross-Strecke, ist die jetzige Vorgangsweise von Bürgermeister Gerhard Krug schlichtweg ein „Einschüchterungsversuch, der seinem mangelnden Demokratieverständnis entspricht“. Der Bürgermeister hingegen sieht nicht ein, dass Gemeinde und Motocrossclub den Aufwand für die angestrengten, aber Ende August eingestellten umweltrechtlichen Verfahren tragen müssen. Und das teilten er und der Obmann des Motorsportclubs Walter Perkhofer jetzt schriftlich rund 15 Gemeindebürgern mit, die Anzeige erstattet haben. Er lässt prüfen, ob die Kosten für Gutachten und Zeitaufwand auf die Anzeiger abgewälzt werden können. Ein wohl einzigartiger Vorgang in einer Tiroler Gemeinde, der für Aufregung sorgt.

In der Landesregierung rümpft man die Nase, obwohl Gemeindereferent LR Johannes Tratter (VP) auf die Gemeindeautonomie verweist. „Aber grundsätzlich müssen politisch Verantwortliche mit Überprüfungen rechnen.“ Umweltreferentin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) findet das Vorgehen des Ortschefs „nicht in Ordnung“. Aus naturschutzrechtlicher Sicht sei laut Behörde alles in Ordnung, „aber so kann man mit den Bürgern nicht umgehen“.

Keineswegs, so Krug, wolle er die Kritiker des Motocrossplatzes mit der Androhung von möglichen Zahlungen mundtot machen, „aber es kann nicht sein, dass letztlich die Allgemeinheit die Kosten für das Entkräften von haltlosen Vorwürfen zahlen muss“. Allein das Gutachten habe rund 4000 Euro gekostet. Insgesamt seien mehrere tausend Euro an Kosten entstanden. Laut Behörde hat es sich bei den verwendeten Abfällen für die Errichtung der Motocrossstrecke inkl. Lärmschutzdamm um eine zulässige Abfallverwertung gehandelt. „Ich lasse jetzt zwei Rechtsanwälte prüfen, ob Rückforderungen möglich sind.“

Barbara Jaud-Dollinger, Sprecherin Aktionsgemeinschaft, widerspricht dem Bürgermeister. Sie hat die jüngsten Briefe aus der Gemeindestube bereits an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. „Wo kommen wir denn da hin.“ Sie hat die Anzeige mitunterschrieben, die Telferin betreibt mit ihrem Ehemann in Rietz eine Landwirtschaft. „Unsere Verdachtsmomente waren nicht aus der Luft gegriffen, unzählige Fotos liegen vor. Dass die Verfahren eingestellt wurden, ist die Entscheidung der Behörden.“ Jaud-Dollinger will sich die Konsequenzen jedoch nicht ausmalen, wenn das Rietzer Beispiel Schule machen würde. „Hier geht schon auch um Bürgerrechte und nach wie vor werfen die Vorgänge rund um den Moto­crossplatz viele Fragen auf, die manchen nicht passen.“

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Der Obmann des MSC Rietz und Listenkollege Krugs, Walter Perkhofer, wollte übrigens zum Brief an die betroffenen Gemeindebürger nichts sage­n. (pn)


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