Mit Augenmaß Moment genießen

Der Blick auf die Tabelle der Erste Bank Eishockeyliga zaubert den Haien nach fünf Spielen ein begeistertes Lächeln ins Gesicht. Der Tritt auf die Euphoriebremse bleibt deswegen aber nicht aus.

Von Alex Gruber

Innsbruck –Nach dem 5:2-Derbyerfolg über Dornbirn haben die Innsbrucker Haie nach vier Heimspielen bereits gleich viele Heimsiege gefeiert wie in der gesamten letzten Saison. Da blieb die Truppe von Danny Naud nämlich in insgesamt 27 (!) Heimspielen zuhause nur gegen Znojmo (6:5 n.P./16. Runde), Laibach (4:3 n.V./36. Runde) und nochmals Laibach (4:3/49. Runde/Qualifikationsdurchgang) siegreich.

„Wir dürfen nicht realitätsfremd werden und glauben, dass wir da oben in der Tabelle stehen bleiben werden“, mahnt Kapitän Patti Mössmer nach seinem bereits vierten Saisontreffer gegen Dornbirn zur Vorsicht. Am trainingsfreien Montag fühlte sich der vierte Tabellenplatz im Haifischbecken aber dennoch ganz gut an: „Ein bisschen mit breiter Brust herumgehen, tut uns ganz gut.“ Erklärtes Ziel in Saison Nummer zwei nach der Rückkehr in die Erste Bank Eishockeyliga bleibe es, an einem Platz im Play-off so lange wie möglich zu schnuppern. „Die momentane Situation ist nur eine schöne Momentaufnahme“, sagen auch Coach Danny Naud und Obmann Günther Hanschitz. Die TT fand vier Gründe für Rang vier.

1 Die Goalies: Der Weg zu jedem einzelnen gewonnenen Spiel führt über eine gute Torhüterleistung. Da glänzte die neue Nummer eins Adam Munro nach dem kollektiv verpatzten Auftakt gegen Bozen (1:6) Tage darauf gegen Laibach (4:2), in Salzburg (1:2) und gegen Fehervar (7:2). Beim Sieg über Dornbirn schloss Back-Up Patrick Machreich nahtlos an die starken Leistungen an. „Adam hat eine gute Phase und ich jetzt ein gutes Spiel“, sagte Machreich noch im Kabinengang, dass er sich dauerhaft nicht mit der Nummer zwei begnügen wolle. Ein bisschen Druck von hinten kann auch Munro nicht schaden. „Patti ist für uns sehr wertvoll und wird seine Spiele bekommen“, führt Naud aus.

2 Die Zwillinge: Justin und Tyler Donati haben die Herzen der Fans mit ihren Zauberkünsten bereits gewonnen. „Gebt denen sofort einen Dreijahresvertrag“, kam es dem ein oder anderen Fan nach den Gustostückerln der kanadischen Zwillinge gegen Dornbirn über die Lippen. „In der Offensivzone machen sie super Sachen. Das ist ihr Wohnzimmer, ihr Spielplatz. Und sie werden durch Patti (Mössmer, Anm.) auch super ergänzt“, lobt Naud, fordert gleichzeitig aber auch die notwendige Defensivarbeit ein. „Die Defensive gewinnt die Spiele“, stellt auch Hanschitz nach dem überaus gelungenen Saisonstart klar.

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3 Die Entwicklung: Nach einem Lehrjahr in der EBEL ist das ganze Team gewachsen. Daran konnte auch eine durchwachsene Vorbereitung nichts ändern. „Einige werden sich schön ärgern, denn wir haben gegen Dornbirn nur mit sechs Ausländern gespielt“, fasst Captain Mössmer den Reifeprozess der heimischen Cracks in Worte. Nauds nach der Vorsaison durchaus begründete Angst, in den vier Heimspielen zu Saisonbeginn gleich wieder in schiefes Fahrwasser zu kippen, stellte sich als unbegründet heraus. „Die Jungs kennen die Liga. Es gibt diese Ungewissheit nicht mehr. Das ganze Bild ist besser.“

4 Das Management: Nach den turbulenten Jahren in der EBEL, einem Schuldenberg, der Konsolidierung in der Nationalliga und der ersten EBEL-Saison zeichnet der Verein rund um Hanschitz, Neo-Präsident Christian Kaltschmid oder Vorstandsmitglied Norbert Ried auch im Management ein stimmiges Bild. Unnötige Unruheherde werden vermieden, im Rahmen der Möglichkeiten voll und ganz auf Sportchef Naud vertraut. Motto: Lieber langsam, dafür aber (wirtschaftlich) gesund wachsen.

Fazit: „Wir dürfen die Situation genießen, aber auch nicht vergessen, warum und wieso: Der Grund ist harte Arbeit, Zusammenarbeit. Wir bleiben auch in der weiteren Saison in jedem Spiel in der Rolle des Herausforderers“, stellt Naud klar. Die gegenwärtige Situation tut den Haien dennoch richtig gut.


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