„McDonald’s ist sehr grün geworden“

Tirols „Mr. McDonald’s“ Joe Polak geht nach 32 Jahren in Pension. Mit der TT sprach er über anfängliche Anfeindungen, grüne Imageveränderungen und seinen besten Burger.

Herr Polak, Sie haben vor 32 Jahren McDonald’s nach Tirol gebracht. Essen Sie eigentlich selbst noch gelegentlich bei sich?

Polak: Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht bei McDonald’s esse. Ich habe mich nie abgegessen.

Ihr Lieblingsburger?

Polak: Der Big Mac und der Royal TS sind meine Lieblingsburger. Wenn ich im Auto unterwegs bin, nehme ich gerne einen Cheeseburger mit, dazu gehört ein Cola.

Gesund klingt das ja nicht.

Polak: Ich kann mich bei McDonald’s jeden Tag anders ernähren. Ich mache auch Salattage. Gesundheit ist bei uns immer ein wichtiges Thema gewesen. Wir werden oft für unsere Qualität gelobt.

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In der Doku „Supersize me“ nimmt der Hauptdarsteller in einem Monat 11 Kilo zu, während er ausschließlich bei McDonald’s isst.

Polak: Wenn ich jeden Tag Schnitzel oder Schweinsbraten esse, ist das auch nicht gesund. Wir sind transparent und sagen, was in unseren Produkten drin ist. Wir spielen mit offenen Karten.

Und McDonald’s hat das Logo grün gefärbt ...

Polak: ... ja, wir sind sehr grün geworden. Die Produktpalette hat sich stark gewandelt, sie ist breiter geworden. Früher wurde die Fleisch-Herkunft diskutiert – das ist heute kein Thema mehr. Österreich war in Sachen Qualität stets vorne. Und ich habe schon vor 28 Jahren Nichtraucherlokale gemacht.

Als Sie 1981 in Innsbruck gestartet sind, hat man Sie nicht mit offenen Armen empfangen. Wie war das damals?

Polak: Wir wurden ziemlich alleine gelassen. Die Gastronomie war nicht erfreut, als meine Frau und ich nach Tirol gekommen sind. Auf der Wand unseres ersten Lokals in der Maria-Theresien-Straße wurde „Ami go home“ geschmiert. Es gab viele Anfeindungen. Am Ende waren das aber Dinge, die mich stärker machten.

Inwiefern?

Polak: Schon vier Jahre später habe ich den ersten McDrive in Österreich eröffnet. Zwei Jahre später kam der Standort in Schönberg dazu, den ich später wieder abgegeben habe. Dann ging es Schritt für Schritt. Vor acht Jahren eröffnete ich das McCafé, was eine Revolution war. Heute haben wir sechs Betriebe in Innsbruck und Umgebung mit 400 Mitarbeitern, 20.000 Gästen pro Tag und einem Jahresumsatz von 20 Mio. Euro.

McDonald’s hat auch in Tirol die Essgewohnheiten der Menschen verändert. Wohin geht die Entwicklung?

Polak: Wir sind immer mehr zur Gastronomie hingewachsen. Bei uns gibt es Stammtische und Kaffeekränzchen. Das Image hat sich gewandelt. Die nächsten großen Entwicklungsschritte heißen „Easy Order“ und „Made for you“: Dabei kann man direkt selbst seine Bestellung aufgeben oder man bestellt per Smartphone und die Speisen werden frisch zubereitet.

Die Fast-Food-Konkurrenz ist auch in Tirol gewachsen. Es gibt bei fast jedem Bäcker Kaffee zum Mitnehmen, dazu Subway und Burger King. Wie weh tut das?

Polak: Wir sind das Original beim Burger. Wir haben den meisten Erfolg, weil wir konsequent sind. Aber es gibt Bewegung am Markt, der Kuchen ist nicht größer geworden. In den vergangenen 20 Jahren hatten wir immer ein zweistelliges Umsatzplus, heuer aber nicht. Wir werden erstmals gleich bleiben. Auch die Marge wird immer geringer.

Morgen ist der letzte Tag Ihrer McDonald’s-Karriere: Am 30. September geben Sie Ihre Lizenzen ab. Stimmt es, dass dafür Millionen fließen?

Polak: McDonald’s kauft mir das Equipment ab. Ich habe allein in den vergangenen drei Jahren 3,5 Mio. Euro investiert. Also ja, das geht in die Millionen.

Das Gespräch führte Nina Werlberger


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