Harmonisches Streben nach demselben Job

Kanzler Faymann (SPÖ) diskutiert heute mit Vizekanzler Spindelegger (ÖVP). Bei der ATV-Debatte befand sich das Duo auf Kuschelkurs.

Wien –Heute treffen sich Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger zum letzten Mal vor der Wahl zu einem TV-Duell. Im ORF versuchen sie zur Prime-Time, unentschlossene Wähler zu überzeugen. Am Sonntag präsentierten die Spitzenkandidaten ihre Programme in der ATV-Sendung „Meine Wahl“. Und auch wenn sich vor allem ÖVP-Chef Spindelegger redlich bemühte, die „großen Unterschiede“ zum Koalitionspartner SPÖ herauszuarbeiten – immerhin hat er es ja auf Faymanns Kanzlerposten abgesehen –, seufzten die Moderatoren ob der gezeigten Einigkeit: „Das klang jetzt wie Koalitionsverhandlungen eine Woche vor der Wahl.“

„Veränderung kann’s nur geben, wenn ich die Stimme bekomme“, bemühte sich Herausforderer Spindelegger beim Thema Bildung, das mit Lehrerdienstrecht neu, Ganztags- und Gesamtschule einiges an Konfliktpotenzial birgt, sich als bessere Alternative zu verkaufen. „Wenn ich Bundeskanzler bin, wird es einen Schwerpunkt in der Bildung geben“, versprach er, das Ganztagesangebot erst auszubauen, wenn die Eltern befragt wurden, und das Gymnasium nicht abzuschaffen. „Da gibt’s auch Sport und Musik“, warb Bundeskanzler Faymann für die Ganztagsschule, deren Anteil er von 30 Prozent bis 2018 auf 50 Prozent erhöhen will. Und die Gesamtschule gebe es de facto bereits „im ländlichen Raum“ als Hauptschule oder Neue Mittelschule. Faymann blieb im Ton sanft, und auch Spindelegger rutschte bei der Debatte ohne Untergriffe ein freundliches „Du“ in Richtung Faymann aus. Da entstand nicht nur bei den Moderatoren der Eindruck, dass die große Koalition beschlossene Sache ist.

Das wollte aber keiner bestätigen. Ja, im Falle einer Wiederwahl werde er sich bemühen, mit der ÖVP eine Koalition zu bilden, gab Fay­mann zu. Auf Salzburg, wo der Landeshauptmannsessel von Rot zu Schwarz wanderte, wies Spindelegger hin: Dort habe auch vorher niemand geahnt, dass es zu einer Schwarz-Grün-Stronach-Koalition kommen kann. Vielleicht war es dieser Seitenhieb, der Faymann auf die Frage, wie er sein Gegenüber einem Headhunter anpreisen würde, sagen ließ: „Lassen Sie mir den Michael als Vizekanzler.“ Der so Gelobte musste seine Antwort von „Er ist ein guter Bergsteiger“ in „Ich würde Werner Faymann anbieten, mein Vizekanzler zu werden“ ändern. Dass der eine Kanzler bleiben, der andere Kanzler werden will, bleibt also der größte Konflikt. (ritz)


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