Harter Tritt auf Finanzbremse

Im TVB Zell-Gerlos geht’s rund: Ein Vorstandsmitglied trat zurück und im Aufsichtsrat werden Einsparungen bei der Zillertal Tourismus und beim Freizeitpark gefordert.

Von Angela Dähling

Zell, Gerlos –Die Finanzen der Zillertal Tourismus GmbH (ZTG) sorgen schon seit einiger Zeit für kontroverse Diskussionen in der Tourismus- und Seilbahnwirtschaft des Zillertales. Nachdem die Liftgesellschaften das ZTG-Werbebudget für den kommenden Winter (bis auf Werbeauftritte bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi) nicht mehr mitfinanzieren und die 650.000 Euro selbst in Werbemaßnahmen für das Tal stecken, setzt auch der Tourismusverband Zell-Gerlos, Zillertal Arena den Sparstift an: Der TVB macht die Zahlung des ZTG-Gesellschafterzuschusses in Höhe von 15.000 Euro jährlich von deren Einsparungen abhängig.

Die 15.000 Euro sollen eigentlich in drei jährlichen Tranchen fließen – und zwar von jedem der vier Tourismusverbände im Tal – damit die ZTG finanziell wieder schlagkräftiger wird. Im Gegenzug muss die Marketingplattform unter der Geschäftsführung von Gernot Paesold Sparmaßnahmen durchführen, lautet dazu die Bedingung aus Zell-Gerlos. Wenn das prognostizierte Minus der ZTG von 400.000 Euro bis zum 30. September nicht um 110.000 Euro geschrumpft sei, werde die zweite 15.000-Euro-Tranche seitens des TVB Zell-Gerlos nicht fließen, heißt es aus dessen Aufsichtsrat, der den Gesellschafterzuschuss zu beschließen hatte.

Als nicht transparent genug werden von einigen Seiten auch die Reisekosten bei der ZTG erachtet. Es sei weiters zu hinterfragen, ob zu diversen Veranstaltungen, Messen, Terminen alle bzw. mehrere der ZTG-Verwaltungsräte sowie GF Gernot Paesold mitfahren bzw. mitfliegen müssen. Hier wollen die Zell-Gerloser nun mit gutem Beispiel vorangehen. Sie entscheiden von Fall zu Fall, ob ihr Vertreter zu gewissen Terminen mitreist. Und wenn ja, dann wird künftig der TVB Zell-Gerlos dessen Reisekosten tragen. Das bestätigt auch der Zeller Bürgermeister Robert Pramstrahler, der Mitglied im TVB-Aufsichtsrat ist. Man hoffe, dass auch andere TVBs im Tal diesem Beispiel folgen werden.

Vom TVB Zell-Gerlos wird Jakob Platzer aus Gerlos mit 1. Oktober in den Verwaltungsrat der ZTG geschickt – er ist dann rechtskräftiger Vertreter von TVB-Obmann Michael Staudacher und als stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender vor allem für die Kontrolle der Finanzen in der ZTG zuständig. Mit jedem neuen Geschäftsjahr wird ein anderer der vier TVB-Obleute des Tales ZTG-Verwaltungsratsvorsitzender. Am 1. Oktober folgt der Mayrhofner Obmann Andreas Hundsbichler in dieser Funktion dem amtierenden Vorsitzenden Ernst Erlebach aus Fügen nach.

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Jakob Platzer ist noch ganz neu im TVB-Vorstand von Zell-Gerlos. Er rückte aus dem Aufsichtsrat in den Vorstand nach, weil Vorstand Peter Kammerlander seine Funktion zurückgelegt hat. Aus „überwiegend privaten Gründen“, erklärt Kammerlander. Mehr möchte er dazu nicht sagen. In den Aufsichtsrat rückte Karl Egger nach.

Bei der jüngsten Aufsichtsratssitzung vorige Woche war auch der Freizeitpark Zell heiß diskutiertes Thema. Laut dessen Geschäftsführer BM Robert Pramstrahler falle heuer die doppelte Rückzahlungsrate der Investitionskosten an, damit wäre die Rückzahlung dann abgeschlossen. Den TVB koste dies rund 140.000 Euro plus weitere 141.000 Euro für den operativen Abgang. Die Gemeinde Zell trifft es in etwa mit der selben Summe – insgesamt sind 607.000 Euro zu berappen. Im Aufsichtsrat wurden Stimmen laut, die den Fortbestand des Freizeitzentrums in Frage stellten. Die Anlage sei nicht trendgemäß, werde von Gästen nicht entsprechend frequentiert. Man wolle mehr Wertschöpfung mit weniger finanziellen Aufwand erreichen. Und man wolle die Summe, die der TVB für den operativen Abgang zahle, deckeln. BM Pramstrahler hält den Ruf nach einer Schließung des Freizeitzentrums für nicht ernst zu nehmen und die Abgangsdeckelung für unrealistisch. Die Zeller TVB-Aufsichtsräte und Gemeinderäte stünden hinter dem Freizeitpark. In diesen müsse nun investiert werden, damit das Angebot wieder attraktiver werde. Daher gelte es nun, ein finanzielles Pol­ster dafür anzusparen.


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