Zauberlehrlinge im Neuland Internet

Die Anarcho-Komiker Vince Vaughn und Owen Wilson verlieren sich als Arbeitslose in Shawn Levys verharmlosendem Imagefilm „Prakti.com“ beim Suchmaschinenkonzern Google.

© fox

Von Peter Angerer

Innsbruck –In Billy Wilders „Das Appartement“ war der von Jack Lemmon gespielte Buchhalter Baxter noch gezwungen, seine Wohnung dem Führungspersonal als Liebesnest zur Verfügung zu stellen, um im New Yorker Versicherungskonzern aufsteigen zu können. Als Symbol dieses Aufstiegs benützte Wilder einen Toilettenschlüssel. Die sarkastische Tragikomödie über Sex und Abhängigkeiten im Arbeitsalltag wurde 1960 als unmoralischer Tiefschlag gegen das anständige Amerika attackiert, doch ein Jahr später gewann Wilder alle wesentlichen Oscars.

50 Jahre später gibt es mit Vince Vaughn und Owen Wilson wieder zwei Schauspieler, die den Wilder-Touch liefern könnten und manches Mal auch bei ihren gemeinsamen Arbeiten („Die Hochzeits-Crasher“, 2005) aufblitzen lassen, doch ihr anarchisches Potenzial findet unter den Produzenten keine Liebhaber mehr. Ihr neuer Film „Prakti.com“ (Original: „The Internship“) beobachtet die Unternehmenskultur beim Suchmaschinenkonzern Google. Bereits beim ersten Kontaktgespräch wird Missverständnissen vorgebeugt: „Kein Sex unter Mitarbeitern!“

Billy (Vaughn) und Nick (Wilson) sind Geschichtenerzähler, die das Herz der Zielperson höherschlagen lassen, bis sie die Pointe hört und die Geschichte zu einem banalen Verkaufsgespräch zusammenschrumpft. Die Zeit hat die beiden Handelsvertreter für Armbanduhren überrollt, immerhin bleibt ihnen das Schicksal Willy Lomans erspart. Nick wendet sich dem Matratzengeschäft seines Schwagers (Will Ferrell) zu, um sich auf die faule Haut zu legen. Billy blättert im Internet nach Jobangeboten für „Menschen ohne besondere Qualifikation“. Das ist schlicht die falsche Frage, weshalb der Arbeitslose mit Privatkonkurs die Google-Suchmaschine mit dem gefährlichsten Zauberwort provoziert, das sofort alle Alarmglocken und Sicherheitsdienste schrillen lässt, denn dieses Wort ist wegen der offenbar gewordenen Verknüpfungen böse wie Luzifer und Al-Kaida. Sekunden später werden die Vertreter aller die Heimat liebenden und schützenden Dienste das Haus umstellen und Erklärungen verlangen, denn wer dieses Wort eingibt, wechselt auf die dunkle Seite der Macht und beabsichtigt, bei genügend Speicherplatz alle Inhalte dieser Welt zu rauben. Dieses Wort heißt Google, aber nicht CIA und NSA hämmern gegen die mit einem Pfändungsbescheid geschmückte Tür, die Pforte zum Paradies öffnet sich auf dem Bildschirm.

Billy und Nick, die nicht einmal die Bedeutung von „online“ kennen, werden zu einem Praktikum in den Konzern geladen. Ziel der Ausbildung, um die sich vor allem geniale Elite-Studenten mit mathematischen Formeln bewerben, ist der Aufstieg vom Noogler zum Googler. Die Erfolgsquote liegt bei einem Prozent. Dafür winkt für eine einzige Idee schon ein Milliardenbonus. Billy öffnet bereits die Hand, als er von einer digitalen Bildbearbeitung von Schnappschüssen zur Verbreitung über soziale Netzwerke träumt. Aber diese Milliarde wurde bereits für Instagram ausgeschüttet. Wenigstens ist das Essen auf dem Google-Campus umsonst.

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Regisseur Shawn Levy („Nachts im Museum“) inszeniert den Wettbewerb unter den Zauberlehrlingen, die in das Neuland Internet aufgenommen werden wollen, als „Harry Potter“-Quidditch-Turnier, bei dem die Senioren nicht mithalten können. Doch die Geschäftsführung hat sich längst für eine neue Marketingstrategie entschieden. Billy und Nick werden die freundlichen Gesichter von Google, um die Skeptiker zu überzeugen.


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