Der hält mit Quattro die Spur

Untrennbar ist seit drei Jahrzehnten der Allradantrieb mit dem Angebot von Audi verbunden. Jüngstes Highlight ist der 310 PS starke RS Q3.

Von Peter Urbanek

Innsbruck –Alpenüberquerungen hatten in der Geschichte immer eine besonderen Touch. Hannibal trieb seine Elefanten durch Eis und Schnee, Napoleon tauchte mit seinem Tross plötzlich aus den verschneiten Bergen auf, in Zeiten von Audi und Quattro geht das natürlich einfacher. Man nehme die bewährten Modelle RS 7 Sportback, RS 5 Cabriolet und RS 6 Avant, gesellt den neuen RS Q3 dazu – schon ist die Armada startklar, um Klagenfurt – Monaco und retour in Angriff zu nehmen. Die magische Zahl „4“ dominiert das Unternehmen. Vier kräftige RS-Fahrzeuge standen am Start, 4400 km beträgt die Wegstrecke, Journalisten aus 44 Ländern begleiten das Event, 44 Pässe gilt es zu überwinden, Quattro heißt auch vier, melden die Italiener. Doch ein kleiner Schwindel hat sich in die Rechenaufgabe hineingeschmuggelt. Nicht vier, sondern sechs Audi-Fahrzeuge sind unterwegs. Aus der historischen Sammlung wurden der Ur-Quattro und der Sport Quattro, der frühere Arbeitsplatz von Kurvenkönig Walter Röhrl, abgestaubt, technisch überprüft: Diese beiden Oldtimer werden die Jagd über die Alpenpässe locker schaffen.

Der Neuling in der Quattro- Runde heißt RS Q3. Ehrengast und mehrfacher Le-Mans- Sieger Frank Biela meinte trocken: „Warum soll ein SUV kein Sportwagen sein? Das kompakte Außenmaß und die höhere Sitzposition sind keine Gegenargumente, auch Mama und Papa wollen samt Familie und vollem Kofferraum kräftig und sicher Gas geben.“ Diese Chance eröffnet der erste richtige Sportwagen im SUV-Umfeld. Der direkt eingespritzte Fünfzylinder-Benziner mit 2,5 l Hubraum bietet 310 PS und 420 Nm Drehmoment steht bereits ab 1500 U/min zur Verfügung. Im ruhigen Reisebetrieb oder im Stadtverkehr murmelt der Motor wie ein Diesel dahin, Einschub erlaubt, es wird keine Selbstzünderversion geben. Ein kräftiger Tritt lässt in Sekunden diese 310 PS zum brüllenden Vorwärtsstürmer werden. In engen Gebirgspassagen regelt der Motor auch mit abgeschaltetem ESP die Traktion. Die Verwendung von Leichtbauteilen verweist auf den sportlichen Charakter, 5,2 Sekunden auf 100 km/h gibt das Werk an, der echte Fahrverbrauch liegt bei fairen 11,0 l/100 km. Bewusst wurde nichts am Komfort und den inneren Platzverhältnissen gegenüber der Standardversion geändert. RS-Sportfahrwerk, 19-Zoll-Reifen sind im Preis von 65.750 Euro enthalten, nach Art des Hauses Audi finden sich in der beachtlichen Aufpreisliste viele nette Ergänzungen. Ab November sind erste Fahrversuche im Schnee möglich.

Zurück zur Audi-Alpen- Tour 2013. Acht Zylinder mit 450 PS im RS 5 Cabriolet offen zu fahren, machen Richtung Monaco und Riviera wirklich Sinn. Wozu einen oft mühsam zu besteigenden, tief gelegenen Zweisitzer zu bewegen, wenn bessere Fahrleistungen (4,9 s auf 100 km/h), Platz für vier Passagiere, offen bei Sonne, Stoffverdeck bei Regen plus exklusiven Auftritt möglich sind. Beschleunigungswert im RS 6 Avant: 3,9 s/100 km, 560 PS-V8-Biturbo – in Le Mans gab man es früher bescheidener.

Audi Quattro ohne Sportbezug klingt wie Malediven ohne Sonne. Einmal Walter Röhrl spielen, an die Menschenmauer der Portugal-Rallye denken, Hochsprung mit Auto anno 1984. Der Traum heißt Sport Quattro, 211 gebaute Einheiten, 220 PS aus 2,2 Liter Benziner, 1380 kg Leergewicht. Kein Airbag, enge Platzverhältnisse, kurzer Radstand, ein 5-Gang-Getriebe. Fahrspaß ohne Ende, am Falzaregopass in Italien gibt es erste Versuche mit Linksbremsen, um den Wagen querzustellen. In Cortina hielt die Polizei den Querverkehr auf, um dem Sport Quattro die Vorfahrt zu sichern.

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Der Mythos lebt weiter, Quattro heute im Luxuskleid – sogar kultivierter als in der Pionierzeit, doch die Freude am Fahren bleibt ungebrochen.


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