Tiroler Baseball-Legende zieht Schlussstrich

Nach 15 Jahren Baseball hängt Kufstein-Vikings-Urgestein Werner Harrasser seinen Handschuh an den Nagel, bleibt seinem Sport aber treu.

Von Daniel Suckert

Kufstein –Alles begann mit dem Hollywood-Film „Die Indianer von Cleveland“ Anfang der 90er-Jahre, die Baseball-Komödie verfehlte ihre Wirkung nicht. Ausgerüstet mit einem Baseball-Starterset aus dem Kaufhaus, begann auf einer Wiese in Kufstein für Werner Harrasser die große Liebe zum Sport mit dem Lederhandschuh. 15 Jahre später hängt der Handschuh am Nagel, dem amerikanischen Sport wird der 35-Jährige trotzdem treu bleiben.

„Meine schönste und schmerzlichste Erinnerung? Die Heim-EM im Juli in Wien“, muss Harrasser nicht lange überlegen. „Vor über 1000 Zuschauern zu spielen und dann noch mit meinem Halbbruder das österreichische Trikot tragen, das war bewegend. Dass wir im Finale einen sicheren Sieg aus der Hand gegeben haben, tat umso mehr weh.“

Weh tut es auch, dass der Baseball-Sport in Tirol seit über einem Jahrzehnt im Schatten des Football steht. Während die Swarco Raiders im Tivoli-Stadion bis zu 8000 Zuschauer anlocken, mussten die Wikinger einen klaren Rückschritt in puncto Anfangseuphorie hinnehmen: „Der Sport braucht Show. Und das haben die Raiders perfekt umgesetzt. Das haben wir verabsäumt. Vor allem, weil uns die Funktionäre über die Jahre hinweg gefehlt haben.“

So schrumpfte die Zuschauerzahl von 600 auf unter 100 runter – trotz anhaltendem Erfolgslauf. „Alles wurde selbstverständlich, auch der Erfolg. Nebenbei haben wir den Rasen gemäht, gespielt, die Presse betreut und die Jugend trainiert. Das war zu viel Multitasking.“

Jammern will der Vater eines Sohnes aber trotzdem nicht. Die Liebe zum Spiel ließ ihn zu keinem Zeitpunkt los. Nicht einmal, als der Pädagoge 2005 ein Auslandssemester im Big Apple von New York absolvierte. Obwohl Harrasser dort die andere Seite der USA kennen lernte. „15 Minuten von der Wall Street entfernt habe ich die Dritte Welt erlebt. Ich war der einzige Weiße an der Schule. Da hab’ ich gespürt, was Rassismus bedeutet und wie sich Ausländer bei uns fühlen müssen.“

Zu Übergriffen der Schüler kam es nie, „aber ich war eine Randfigur der Gesellschaft“. Und der 3000-Dollar-Scheck wegen Gefahrenzulage, der nach der Rückkehr im Postfach lag, sagte mehr als tausend Worte.

Ein Stück Vergangenheit – jetzt gilt die Zukunft. Und die bringt die Vikings ab 2014 nach Ebbs. Dort wurde ein neuer Platz gebaut. „Man hat uns dort mit offenen Armen aufgenommen“, schwärmt Harrasser. Ein zusätzlicher Motivationsschub für den gesamten Verein, der Schritt für Schritt weiterwachsen möchte. Mit einem Werner Harrasser auf Funktionärs- und Nachwuchsebene, der künftig mehrere Hebel in Bewegung setzen will: „Es geht um Kleinigkeiten. Ich habe in Wien erlebt, was allein ein Flutlichtspiel schon bewirken kann.“


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