Versteckte Steuer kostet 130 Millionen

Die Einkommen steigen, die Steuerstufen aber nicht – laut Zahlen der Wirtschaftskammer kostet diese schleichende Steuererhöhung die Tiroler rund 130 Millionen Euro im Jahr.

Von Max Strozzi

Innsbruck –Die so genannte kalte Progression, eine Art schleichende Erhöhung der Einkommenssteuer, kostet die Tiroler Beschäftigten jedes Jahr rund 130 Millionen Euro. Zu diesem Ergebnis kommt die Wirtschaftskammer, die den Effekt der kalten Progression in Zahlen gegossen hat.

Die kalte Progression tritt ein, weil – anders als etwa in der Schweiz – die einzelnen Stufen der Einkommenssteuer nicht jährlich an die Inflation angepasst werden. Während die Einkommen jedes Jahr in der Regel zumindest mit der Inflation steigen, sind die Steuerstufen seit 2009 gleich geblieben. Die Kritik am System: Ohne dass den Beschäftigten real mehr in der Tasche bleibt, müssen sie automatisch mehr Steuern an den Fiskus zahlen. Steuerzahler landen oft alleine wegen der Inflationsabgeltung in einer höheren Steuerklasse.

„Die kalte Progression trifft kleinere Einkommen besonders stark“, sagt Wirtschaftskammer-Volkswirt Stefan Garbislander. Laut seiner Rechnung fallen bei einem Bruttoeinkommen von 25.500 Euro im Jahr derzeit 5326 Euro an Einkommenssteuer an. „Würden die Steuerstufen seit 2009 jährlich an die Inflationsrate angepasst, müsste die Person in diesem Falle 4915 Euro an Steuer zahlen, also um rund 411 Euro weniger“, rechnet Garbislander vor.

Bei einem Jahresbrutto von 35.000 Euro könnte man sich demnach mehr als 535 Euro pro Jahr sparen, bei einem Bruttoeinkommen von 62.000 Euro rund 670 Euro. Hätte man die Steuerstufen seit 2009 an die Inflation angepasst, würde zudem laut Garbislander erst ab einem Jahresbruttoeinkommen von 12.000 Euro die Lohnsteuer fällig sein statt wie derzeit ab 11.000 Euro. Und erst ab einem Einkommen von rund 27.000 Euro (derzeit 25.000 Euro) würde die zweite Steuerstufe (36,5 %) greifen.

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„Der Staat nimmt durch kalte Progression mehr Steuern ein, als ihm zustehen“, kritisiert Garbislander. Auch Absetzbeträge seien nicht an die Inflation angepasst worden. So müsste zum Beispiel der Alleinverdienerabsetzbetrag für ein Kind, der seit 2005 nicht angepasst wurde, nicht 494 Euro, sondern 582 Euro betragen.

Zuletzt hat Wirtschaftsforscher Christian Keuschnigg, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), eine Steuerreform gefordert. Dies sei aufgrund der kalten Progression „längst überfällig“, meinte Keuschnigg. Er sei dafür, zum einen den Eingangssteuersatz zu senken und die nachfolgenden Stufen gleichmäßig ansteigen zu lassen.

Die Grenze für den Höchststeuersatz bei 60.000 Euro sei im internationalen Vergleich „noch sehr tief“. Obwohl eine Steuerreform auch notwendig ist, seien die Möglichkeiten angesichts der Budgetsituation allerdings „limitiert“, stellte Keuschnigg fest.


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