Tram-Info bricht Widerstand nicht

Parkplätze, Lärm und Trassenführung: Das sind die zentralen Punkte, die Anrainern der neuen Regionalbahntrasse vom O-Dorf bis zur Technik unter den Nägeln brennen. Eine Informationsreihe der Stadt ändert daran wenig.

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck –„Die reden ja nur Blabla.“ Nicht immer, aber doch oft standen die Mitarbeiter von Stadt und Innsbrucker Verkehrsbetrieben (IVB) gestern auf verlorenem Posten. Viele Betroffene und Interessierte des Regionalbahnbaus waren zur Informationsveranstaltung (untertags) und zur lebhaft geführten Diskussion am Abend in die mit gut 200 Personen gefüllten Leitgebhalle nach Pradl gekommen. Eine Initiative, die für viele Anwesenden zu spät kommt. Jetzt, da der Bau der Regionalbahntrasse von Rum bis zur Technik, respektive Peerhöfe und Völs, längst politisch beschlossene Sache ist.

„Gut wäre diese Info vor zwei Jahren gewesen. Was nützt es mir jetzt, wo schon gebaut wird?“, fragte sich Gustav Kirchmeyr. Er lebt in der Defreggerstraße. Dort regt sich seit Monaten Widerstand gegen den geplanten Tram-Durchstich in die Langstraße. Mitten durch eine kleine grüne Oase, wie die Anrainer das Grätzel bezeichnen. Die Pläne hat Kirchmeyr allesamt zu Hause studiert, herumgereicht und mit vielen Verantwortlichen besprochen. Das haben gestern auch Heinz und Silvia Frank. Sie sind nicht prinzipiell gegen die Tram. Aber der Durchstich sei eine „Katastrophe. Uns geht es um die Kinder. Die sind ja gewöhnt, dort zwischen den Höfen hin- und herzulaufen.“ Kirchmeyr stellte gestern eine andere Frage in den Raum: „Wir Pradler müssen Platz hergeben, damit das O-Dorf besser ins Zentrum kommt – was bekommen wir dafür als Gegenleistung?“ „Die Bahn wird mitten durch unseren Hof pfeifen“, meinte eine andere besorgte Bürgerin.

Wieso ausgerechnet durch die Defregger- und nicht durch die benachbarte Gumppstraße? Eine Frage, die oft aufgeworfen wurde. „Die Variantenwahl war eine sehr diffizile“, gab IVB-Projektleiter Harald Muhrer Auskunft. Es gehe um eine bessere Erschließung Pradls. Und was sei mit den vielen Parkplätzen, die wegfallen sollen, oder dem Lärm durch die neuen Tramgarnituren? Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, Vize Sonja Pitscheider und IVB-Chef Martin Baltes wurden mit vielen persönlichen Problemen konfrontiert. „Wir werden eine Lösung finden“, sagte Oppitz-Plörer nicht nur einmal. Nachsatz in Richtung Tram-Kritiker: „Ich weiß aber auch, dass ich Sie heute anhand der Pläne nicht überzeugen werde können.“

Auch der Nutzen der Regionalbahn hinsichtlich ihrer Kapazität wurde in Zweifel gezogen. Die Gelenkbusse auf der Linie O seien für 150 Personen zugelassen, obwohl im Bus nur 110 ausgewiesen seien – die neue Tram biete nur Platz für 160, lautete ein Vorwurf. Muhrer bestätigte dies, merkte aber auch erklärend an, dass die Tram eigentlich für 209 Personen zugelassen sei. Die IVB hätten diese Reduktionen bei Bus (110) und Tram (160) freiwillig veranlasst. Man wolle den Kunden schließlich auch eine gewisse Fahrqualität bieten.

Spekulationen über die Zukunft der Regionalbahn ließen alle Verantwortlichen gestern keinen Spielraum: Die Tram komme und die Trasse werde nicht geändert. Weder für den kontroversiellen Abschnitt in der Defreggerstraße noch für den heute (siehe Infobox) zur Diskussion stehenden Bereich in der Technik und zu den Peerhöfen. Da zeigten auch die in beiden Fällen bereits unter den Anrainern eifrig gesammelten Unterschriften keine Wirkung.

Als „Polit-Farce“ bezeichnete gestern LA Rudi Federspiel (FPÖ) die Tram-Information.


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