Natura 2000: Liste in ein, zwei Jahren

In Salzburg trafen sich die Umweltreferenten der Länder, um das weitere Vorgehen gegenüber der EU-Kommission zu beraten.

Von Anita Heubacher

Salzburg –Die EU hat Österreich auf die Finger geklopft. Die Republik möge erklären, warum sie manche Gebiete nicht als Natura-2000-Gebiete ausgewiesen habe. 150 Naturräume hat die Europäische Union österreichweit unter die Lupe genommen und im Dezember letzten Jahres ein Vorabprüfverfahren eingeleitet. In Tirol sind zwölf Regionen von der Prüfung betroffen, darunter der Piz Val Gronda oder die Obere Isel in Osttirol.

„An der Isel werden wir etwas tun müssen“, meinte gestern die zuständige Umweltreferentin Ingrid Felipe. „Ob der gesamte Verlauf oder auch die Zubringerflüsse als Natura-2000-Gebiete auszuweisen sind“, könne sie noch nicht sagen. Insbesondere die geplanten Kraftwerke an der Oberen Isel haben die EU auf den Plan gerufen. Osttiroler Bürgerinitiativen machen gegen die Baupläne mobil. Die Isel sei der letzte intakte Gletscherfluss der Alpen und Tirols einziger Nationalparkfluss. Die Deutsche Tamariske, auch Rispelstrauch genannt, werde als stark gefährdet eingestuft und sei daher besonders schützenswert, argumentiert die Bürgerinitiative auf ihrer Homepage.

In Salzburg besprachen gestern die Umweltreferenten aus Kärnten, Salzburg, der Steiermark und Tirol das weitere Vorgehen. Das Antwortschreiben der EU sei bereits verfasst worden, sagt Felipe. Es liege derzeit beim Bundeskanzleramt. Darin zu lesen sei, dass Österreich mehr Zeit wolle. Diese sei nötig, um ordentliches, aktuelles Datenmaterial zu bekommen. Bis Ende des Jahres will Felipe die notwendigen Gutachten für Tirol erstellt haben. „Dann kann der Nominierungsprozess beginnen.“ Es gehe darum, alle Beteiligten wie Grundeigentümer, Jäger oder NGOs an den Tisch zu holen. Felipe hat sich einiges vorgenommen: „Ein offener Dialog wird die Begeisterung für das Thema wecken.“ Dafür kalkuliert Felipe „ein, bis zwei Jahre“ ein.

Besonders heikel wäre auch eine Nominierung des Piz Val Gronda. Die Ischgler Bergbahnen haben mit dem Bau der Piste und der Errichtung der Seilbahn begonnen. Die mächtigen Liftstützen sind bereits installiert. Grünes Licht dafür hatte im September 2012 der ehemalige Naturschutzreferent Hannes Gschwentner (SPÖ) gegeben. Sein roter Nachfolger, Thomas Pupp, bestätigte Gschwentners Entscheidung, während die Grünen, damals noch in Opposition, sich vehement gegen die Erschließung des Berges einsetzten: allen voran der jetzige Klubobmann der Grünen, Gebi Mair.


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