Türkische Lira gedrückt durch schwindende Zinsspekulationen

Der Notenbankchef hatte zuvor einer weiteren raschen Zinserhöhung eine Absage erteilt. Die Währungshüter setzten im Kampf gegen die Kapitalflucht auf Devisenverkauf.

Istanbul/Frankfurt - Die schwindende Aussicht auf eine baldige Zinserhöhung der türkischen Zentralbank hat die Währung des Landes am Dienstag belastet. Ein Dollar (0,74 Euro) verteuerte sich um bis zu 0,9 Prozent auf 2,0036 Lira. Türkische Staatsanleihen warfen Anleger ebenfalls aus ihren Depots. Die Rendite der richtungsweisenden Zehnjährigen stieg im Gegenzug auf 9,09 Prozent von 8,98 Prozent am Vortag. Der Leitindex der Istanbuler Börse verlor 0,3 Prozent auf 76.572 Punkte.

Der türkische Notenbankchef Erdem Basci hatte zuvor weiteren baldigen Zinserhöhungen eine Absage erteilt. Sein Haus setzt im Kampf gegen Kapitalflucht und Kursverfall der Lira auf andere Maßnahmen wie zum Beispiel den Verkauf von Devisen. Hierfür hat die Türkiye Cumhuriyeti Merkez Bankasi seit Mai neun Mrd. Dollar oder ein Fünftel ihrer Reserven ausgegeben. Eine Zinserhöhung käme für die Regierung des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan angesichts der Wahlen im kommenden Jahr ungelegen.

Da Basci die Zinsen nicht anheben könne, blieben Devisenverkäufe als einzige Waffe gegen den Lira-Verfall, schrieben die Analysten der Commerzbank in einem Kommentar. Angesichts der anziehenden Inflation sei es aber fraglich, ob die Notenbank diese Strategie lange durchhalten könne.

Die Türkei ist auf ausländisches Kapital angewiesen, um ihr Wirtschaftswachstum zu finanzieren. Wegen der Spekulationen um eine baldige Straffung der US-Geldpolitik haben in den vergangenen Monaten jedoch viele ausländische Investoren ihr Geld abgezogen, um es - angelockt von steigenden Renditen - in als sicherer geltende US-Wertpapiere zu stecken. (APA/Reuters)

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