Prototyp für „Weltraumwetter“-Frühwarnsystem vorgestellt

Das insgesamt 2,5 Millionen Euro teure Frühwarnsystem soll den Wissenschaftern bereits rund eine Stunde nach Auftreten eines Sonnensturms erste Informationen über dessen Stärke liefern.

Göttingen – Sonnenstürme sollen die Technik in Europa in Zukunft nicht mehr unvorbereitet lahmlegen können. An der Universität Göttingen stellten Experten am Dienstag den Prototypen für das erste europäische Frühwarnsystem für „Weltraumwetter“ vor, wie die Hochschule mitteilte. Dabei analysieren Computer die von Satelliten im All gesammelten Daten über die Sonnenaktivität und errechnen daraus mit einigem Vorlauf Ankunftszeit und Auswirkungen von Sonnenstürmen auf der Erde.

Die Sonne sendet permanent einen „Wind“ aus elektrisch geladenen Teilchen aus, der allerdings in seiner Stärke schwankt. Toben auf der Sonnenoberfläche starke Sonnenstürme, werden riesige Materialwolken ausgestoßen und überwinden das Magnetfeld der Erde. Das kann zu technischen Ausfällen führen. Sonnenstürme können Satelliten stören und globale Kommunikations- und Navigationssysteme lahmlegen. Im Extremfall können sie sogar die Stromversorgung auf der Erde für längere Zeit empfindlich stören.

Das neue insgesamt 2,5 Mio. Euro teure Frühwarnsystem namens „Advanced Forecast for Ensuring Communications Through Space“ (AFFECTS) ist in der Lage, den Wissenschafter bereits rund eine Stunde nach Auftreten eines Sonnensturms erste Informationen über dessen Stärke zu liefern. „Aus der Analyse lassen sich die Eigenschaften des Sonnensturmes ableiten, der Zeitpunkt, wann er ungefähr auf der Erde eintrifft und welche Auswirkungen das Unwetter hier haben wird“, erklärte Projektleiter Volker Bothmer von der Uni Göttingen.

Bei starken Sonnenstürmen lässt sich den Angaben zufolge eine Vorwarnzeit von zwölf Stunden bis zu mehreren Tagen erreichen. Die generelle „Großwetterlage“ kann für etwa ein bis zwei Wochen im Voraus beurteilt werden. An dem Projekt sind neben der federführenden Uni Göttingen noch mehrere weitere deutsche Forschungseinrichtungen und Firmen sowie Wissenschafter aus den USA, Belgien, Norwegen sowie der Ukraine beteiligt. (APA/AFP)


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