Zweitägiger Fußmarsch von der Hochalm bis Terfens

Karl und Martin Höger treiben ihre Kühe von der Engalm noch wie ihre Vorfahren per pedes von der Engalm ab. Zwei Tage sind sie unterwegs.

Hinterriß, Terfens –Ein Almabtrieb schaut für die meisten Besucher idyllisch und unkompliziert aus: Blumengeschmückte Kühe ziehen durch die Straßen. Früher war das eine oft weite und beschwerliche Wanderung für die Kühe. Heute ist dies in den meisten Fällen nicht mehr so. Nicht selten werden die Kühe auf der Alm auf einen Viehtransporter verladen, um dann kurz vor dem heimatlichen Hof geschmückt zu werden.

Einer der letzten klassischen Almabtriebe in Tirol findet jährlich von der Eng­alm durch das Karwendelgebirge ins Inntal statt. Zwei Tage dauert der Marsch, den Karl Höger und sein Sohn Martin auch heute wieder auf sich nehmen. Die Route führt sie auf dem Weg der Karwendeltour von der Eng­alm hinauf zur Binsalm. Von dort noch weiter hinauf über das Lamsenjoch, hinüber zur Lamsenjochhütte und dann hinunter ins Inntal nach Terfens: auf der ca. 30 km langen Strecke geht’s daher ca. 800 Höhenmeter bergauf und ca. 1300 Höhenmeter bergab.

Karl Höger hat diese Tradition von seinem Vater und Onkel übernommen. Bei den Vorbereitungen für den Almabtrieb, der am heutigen 27. September startet, packt ihn Wehmut – er zählt schon wieder die Tage, bis er im nächsten Sommer mit den Kühen auf die Alm zurückkommt:

Die letzte Nacht auf der Alm ist eine besondere. Karl und Martin Höger sind sich sicher, die Kühe merken, es geht heim. Aber auch die Bauern und ihre Helfer verbringen den letzten Abend anders als sonst. Es wird in der Rasthütte der Engalm gegessen und getrunken. So manch lustige Geschichte der letzten Jahre wird erzählt. Nach einer kurzen Nacht heißt es dann früh aufstehen.

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Die rund 50 Kühe werden ein letztes Mal gemolken bevor der Abtrieb um 8 Uhr beginnt. Auf dem Weg aus der Engalm hinauf zur Binsalm geht es noch zügig voran. Dann wird es steiler. Vom westlichen zum östlichen Lamsenjoch erwartet Mensch und Tier der schwierigste Teil des Almabtriebs. Der Wanderweg ist an vielen Stellen sehr schmal. Wer darüber hinauskommt, stürzt in die steilen Wände des Lamsenjoch. Nach einer Einkehr auf der Lamsenjochhütte geht es nun ca. 1300 Höhenmeter bergab. Auf halber Strecke liegt die Stallenalm, wo wieder eine kurze Rast für Mensch und Tier eingelegt wird. Von dort geht es mit den Kühen zum Stallenboden und zur Weng.

Das Ziel des ersten Tages ist erreicht und die wohlverdiente Nachtruhe wird angetreten, bevor am nächsten Tag der schönste Teil des Almabtriebs beginnt.

Nach dem morgendlichen Melken werden nun die Kühe geschmückt. In den letzten Wochen hat die Bäuerin gemeinsam mit ihren Schwestern den Kopfschmuck für die Kühe gebunden. Die letzte Etappe führt schließlich von einer Wiese über Straßen und Wege nach Vomp und weiter nach bis Terfens, wo die Tiere auf dem Dorfplatz schon erwartet werden.

Morgen ist es wieder so weit: Karl und Martin Höger hoffen, mit ihren Tieren gegen 13.30 Uhr gesund beim Almabtriebsfest in Terfens einzutreffen. Bereits heute Nachmittag wird der Schwazer Bauer Hansjörg Reiter mit seinen Kühen aus der Eng nach Schwaz heimkehren. Weil der Weg kürzer ist, schafft er den Abtrieb in einem Tagesmarsch. Ein Fest veranstalten die Jungbauern dazu am Stadtplatz. (TT, ad)


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