Volkswagen erklimmt den „Buddha-Berg“: Satte Gewinne in China

Der Heimatmarkt bröckelt, aber in China startet Volkswagen so richtig durch. Neue Werke werden eröffnet, Kapazitäten kräftig ausgebaut. Und was hat Deutschland davon?

Von Andreas Landwehr, dpa

Wolfsburg/Peking - China spielt eine Schlüsselrolle für die ehrgeizigen Plänen des deutschen Volkswagen-Konzerns, spätestens bis 2018 zum größten Autobauer der Welt aufzusteigen. Während Europa nicht aus der Talsohle herauskommt, boomt das Geschäft auf dem chinesischen Automarkt zweistellig und soll auch die nächsten Jahre noch kräftig steigen. Deswegen investiert Volkswagen bis 2015 auch knapp 10 Mrd. Euro ins Reich der Mitte. Allein in diesem Jahr werden fünf von sieben geplanten Fahrzeug- und Teilewerken eröffnet.

„Deutschland profitiert sehr stark von China“

Aber wie werden damit Arbeitsplätze in der Heimat geschaffen? Was hat Deutschland davon? „Sehr viel“, sagt VW-China-Chef Jochem Heizmann. „Deutschland profitiert sehr stark von China.“ So seien im vergangenen Jahr 90.000 Autos aus Deutschland nach China geliefert worden, 400.000 Getriebe, 100.000 Motoren und viele andere Teile für die Produktion. „Eine Menge Jobs in Deutschland sind durch die Aktivitäten in China gesichert worden.“

Bei der Eröffnung des neuen Werkes in Foshan in der blühenden Wirtschaftsregion Guangdong unweit von Hongkong zeigt Heizmann auf den hochmodernen Maschinenpark in der Werkhalle. „Sehr viel Ausrüstung hier in der neuen Fabrik stammt von Zulieferern aus Deutschland.“ Hier am „Buddha-Berg“, wie der Name der Stadt übersetzt wird, werden der neue Golf und demnächst auch der Audi A3 produziert. Und schon am Eröffnungstag am Mittwoch ist klar, dass das Werk bald wieder zu klein sein wird. So wurde umgehend verkündet, das gleiche Werk noch einmal daneben zu bauen, um etwa in vier Jahren die Kapazität in Foshan auf 600.000 zu verdoppeln.

Vier Millionen Autos im Jahr will die Volkswagen-Gruppe bis 2018 in China bauen, heute sind es 2,8 Mio. Dass der Massenmarkt bei solchen Volumen nicht von Deutschland aus beliefert werden kann, versteht sich von alleine - schon wegen der Transportkosten und Einfuhrzölle, die Importe verteuern. Die Wolfsburger verdienen aber auch gutes Geld in China: 3,7 Mrd. Euro Gewinn flossen 2012 aus der Volksrepublik in die VW-Kassen.

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VW will ein größeres Stück vom Kuchen

Bei dem Joint Venture mit First Automotive Works (FAW) profitiert Volkswagen nicht so sehr, weil der Konzern nur 40 Prozent Anteile hat. Im Gemeinschaftsunternehmen mit Shanghai Automotive (SAIC) sind es 50 Prozent. Bei der Verlängerung des 2016 auslaufenden Joint-Venture-Vertrages möchte Volkswagen den Anteil auch gerne auf 50 Prozent erhöhen, wie Heizmann sagt. Es werde in den Verhandlungen über den Ausbau der Kooperation gesprochen. Überhaupt: „Es ist ziemlich normal, 50 Prozent zu haben.“

Aus Sicht von Cui Dongshu, dem Generalsekretär der chinesischen Vereinigung der Personenwagenhersteller, will Volkswagen nicht nur ein größeres Stück vom Kuchen abhaben, sondern auch mehr Mitsprache im Unternehmen. Ein höherer Anteil werde den VW-Konzern aber teuer zu stehen kommen. Das Joint Venture FAW-VW mache heute 30 bis 40 Mrd. Yuan (3,6 bis 4,8 Mrd. Euro) Gewinn jedes Jahr, schätzt der Experte.

„Wenn FAW zehn Prozent abgibt, verlieren sie drei bis vier Milliarden Yuan jedes Jahr. Das ist eine Menge Geld“, sagt Cui Dongshu der Nachrichtenagentur dpa. Auch wenn er sich Technologietransfer oder andere Tauschgeschäfte vorstellen kann, fragte der Experte: „Wie viel wird Volkswagen zahlen müssen, wenn es an den Kuchen will?“ (tt.com/dpa)


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