Kampf gegen Maikäferplage auf 550 Hektar gewonnen

Forschungsprojekt des Uni-Instituts für Mikrobiologie ist abgeschlossen: Bauern von Schönwies bis Pfunds atmen auf, „biologische Waffe“ greift.

Von Helmut Wenzel

Pfunds –„In den 90er-Jahren waren die Wiesen und Felder im Obergricht nur noch braun“, erinnern der Land­ecker Bauernkammerobmann Elmar Monz und Geschäftsführer Andrä Neururer. Hermann Strasser vom Innsbrucker Institut für Mikrobiologie und sein Team stellten enorme Engerling-Populationen fest: Bei Pfunds/Lafairs haben Studenten pro Quadratmeter bis zu 300 gefräßige Larven des Maikäfers ausgegraben. Das war im Mai 1998, zu Beginn des Forschungsprojekts mit dem Pilz namens „Beauveria brongniartii“.

Der Pilz ist zusammen mit Gerste im Labor zu einem „Hightech-Produkt“ mit dem Namen „Melocont Pilzgerste“ entwickelt worden. Die biologische Waffe wird in Form eines weißen Pulvers auf den betroffenen Feldern ausgetragen. Mit speziellen Maschinen gelangt die Bio-Waffe fünf Zentimeter tief in den Humus. Sie wirkt: Der Pilz wickelt Fäden rund um den Engerling, bis dieser abstirbt.

Für den Professor und Forscher Hermann Strasser ist der Beweis gelungen, dass der Einsatz der Bio-Waffe die gewünschten Erfolge bringt. Ein Studenten-Team konnte diese Woche im Raum Pfunds-Tösens nur noch eine „Engerling-Quote“ von weniger als 30 Larven pro Quadratmeter nachweisen. Laut Strasser sind 30 Stück die so genannte Schadschwelle für das Grünland.

Für Obstplantagen gelten noch niedrigere Werte. „Da kann ein einziger Engerling schon ein Problem sein, wie wir in Südtirol gesehen haben.“ Man müsse jedenfalls auf der Hut sein, plädiert der Experte, „eine einmalige Anwendung der Pilzgerste ist auf jeden Fall zu wenig“.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Eine völlige Ausrottung der Maikäfer-Populationen ist laut Strasser allerdings unrealistisch. Immerhin habe man die Bio-Waffe in Zusammenarbeit mit der Bauernkammer und den betroffenen Bauern flächendeckend im Bezirk eingesetzt – in Summe auf 550 Hektar zwischen Schönwies und Pfunds.

Neururer würdigte die „hervorragende Arbeit von Strasser“. Die Kosten bezifferte er mit 500 Euro pro Quadratmeter. Das Land, Gemeinden und Agrargemeinschaften sowie die Bauern würden je ein Drittel beisteuern.


Kommentieren


Schlagworte